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Pressespiegel

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Neue Westfälische / 19.01.2010

,,Respekt, Herr Oberbürgermeister“
Gestern Abend: Neujahrsempfang des Industrie- und Handels-Clubs mit Pit Clausen und 225 Mitgliedern und Gästen im Neuen Rathaus (Wilfried Massmann)


Oberbürgermeister Pit Clausen hat beim Neujahrsempfang des Industrie- und Handels-Clubs (IHC) für Gemeinsamkeit in wesentlichen Fragen der Stadt geworben. Dazu zählt für ihn vordringlich die Bildungspolitik und der Ausbau des schienengebundenen öffentlichen Nahverkehrs. ,,Es geht um große Aufgaben, die nicht allein von Verwaltung und Politik zu lösen sind“, meinte Clausen gestern Abend im Großen Saal des Neuen Rathauses vor 225 Club-Mitgliedern und geladenen Gästen. Er wünsche sich eine ,,Verantwortungsgemeinschaft“ von Bielefeldern, die zwei, drei Themen voran bringen – jenseits parteipolitischer Auseinandersetzungen. Nach Ansicht des Oberbürgermeisters steht die Gesellschaft am Ende einer Epoche, in der jeder ,,den optimalen Nutzen für sich selbst gesucht hat“. ,,Wir brauchen Verbündete, auch inBielefeld“, wenn es um kommunale Zukunftsfelder gehe. Er wirbt um Gemeinsamkeit und Unterstützung bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern, bei Organisationen und Verbänden. Dafür könnte sich Pit Clausen die Überschrift ,,Bielefeld kann’s“ vorstellen. ,,Das drückt Zuversicht aus, und die brauchen wir.“ Ausdrücklich würdigte er die heimische Wirtschaft als ,,ein Pfund, mit dem wir wuchern können“ und lobte Bielefeld: ,,Hier kann man besser leben, als viele meinen.“ IHC-Präsident Dirk U. Hindrichs wünschte dem Stadtoberhaupt und Verwaltungschef ,,eine glückliche Hand“ für seine Aufgaben. Nachdem dieser 2004 als SPD-Kandidat an 139 fehlender Stimmen gescheitert sei, habe er es 2009 mit 43,3 Prozent der Stimmen geschafft. ,,Respekt, Herr Oberbürgermeister.“ Beim Neujahrsempfang mit dabei waren unter anderem Bürgermeister Horst Grube, Alt-Bürgermeisterin Maja Oetker, IHK-Präsident Ortwin Goldbeck, Ex-IHK- und IHC-Präsident Herbert Sommer, Uni-Rektor Gerd Sager, FH-Rektorin Beate Rennen-Alhoff, Kreishandwerksmeister Hans-Günter Lamm, Polizeipräsident Erwin Südfeld, die Fraktionsvorsitzenden Hans-Georg Fortmeier (SPD) und Harald Buschmann (FDP), CDU-Kreisvorsitzender Bernd Landgraf, die NRW-Behindertenbeauftragte Angelika Gemkow, Bielefeld-Marketing-Geschäftsführer Hans-Rudolf Holtkamp, Ex-IHC-Geschäftsführer Erhard Kiezewski, die städtischen Ex-Dezernenten Rainer Ludwig und Jürgen Heinrich sowie die Unternehmer Rainer Zinkann, Daniel Terberger und Eduard R. Dörrenberg.


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Neue Westfälische / 04.12.2009

Weltmeister im Spenden
Bethel-Chef Pastor Ulrich Pohl zum Thema Wohltätigkeit in Deutschland (Lothar Schmalen)


Mit 2,16 Milliarden Euro lag das Spendenaufkommen in Deutschland im Jahr 2008 trotz der beginnenden Wirtschaftskrise noch einmal um 3,9 Prozent höher als im Vorjahr. Mit dieser überraschenden Feststellung wartete Pastor Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender der von Bodelschwinghschen Anstalten, gestern Abend bei seinem Vortrag „Spenden in Deutschland“ vor dem Industrie- und Handelsclub (IHC) Bielefeld auf. Die Deutschen seien damit einmal mehr Weltmeister im Spenden.

Es gibt in Deutschland wohl kaum einen besseren Experten zum Thema Spenden als Pastor Pohl (52). Schon seit 2001 ist der Theologe, der seit dem vergangenen Jahr Chef in Bethel ist, für den Spenden-Eingang eines der größten Spendenempfänger Deutschlands verantwortlich. 21,5 Millionen Euro Spendengelder erhielt Bethel zuletzt jährlich. Noch einmal 20 Millionen Euro aus Nachlässen kommen hinzu. Zusammen macht dies rund fünf Prozent des 800-Millionen-Euro-Budgets in Bethel aus – eine durchaus beachtliche „freie Spitze“, wie Pohl formulierte. Mit ihr könne Bethel auch in Projekte investieren, die sich nicht sofort vollständig refinanzieren.

Dass sich die Krise zumindest im vergangenen Jahr beim Spendenaufkommen noch nicht bemerkbar gemacht hat, führte Pastor Pohl auch darauf zurück, dass der Anteil der von der Krise bislang nicht so stark betroffenen Rentner bei den Spenden mit mehr als 50 Prozent besonders hoch sei. Pohl nannte noch weitere interessante Statistik-Werte. Jeder fünfte Deutsche spendet wenigstens einmal im Jahr. Der durchschnittliche Spender gibt sogar sechsmal im Jahr Geld für einen guten Zweck, und zwar insgesamt 167,37 Euro. Die meisten Spenden werden in den letzten sechs Wochen des Jahres getätigt. Insgesamt 40 Prozent des gesamten Spendenaufkommens fließt in der Vorweihnachtszeit zwischen dem 10. November und 20. Dezember an die Empfänger.

77,9 Prozent aller Spenden kamen im Jahr 2008 humanitären Einrichtungen oder Projekten zugute – ein seit Jahren leicht fallender Anteil. Das ist der Bereich, in dem auch die von Bodelschwinghschen Anstalten (ab 1. Januar heißen sie übrigens von Bodelschwinghsche Stiftungen) tätig sind. Dagegen steigt Jahren der Anteil der Spenden für den Bereich Kultur- und Denkmalpflege. Es folgen dann der Tierschutz (3,8 Prozent) und der Umweltschutz (3,7 Prozent).

Möglicherweise macht sich die Wirtschaftskrise in diesem Jahr beim Spenden-Gesamtaufkommen in Deutschland doch noch bemerkbar. Im ersten Halbjahr 2009 nämlich spendeten die Deutschen mit 847 Millionen Euro immerhin 6,3 Prozent weniger als im ersten Halbjahr des Jahres 2008. Erfasst werden diese Zahlen übrigens vom Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag des Deutschen Spendenrats. Pastor Ulrich Pohl ist stellvertretender Vorsitzender des Spendenrats, der seinen Sitz in Berlin hat und in dem die wichtigsten gemeinnützigen Einrichtungen Deutschlands zusammengeschlossen sind.

Diakonie-Konzern Bethel Die von Bodelschwinghschen Stiftungen (so der offizielle Name ab 1. Januar 2010) sind der größte Diakonieträger Europas und beschäftigen an rund 250 Standorten in sechs Bundesländern rund 15.000 Mitarbeiter. Größte Einzeleinrichtung ist das gemeinsam mit dem Johanneswerk betriebene Evangelische Krankenhaus, in das in den nächsten Jahren insgesamt 80 Millionen Euro investiert werden sollen. Neuestes Bethel-Projekt ist die Errichtung eines Kinderhospizes. Die ersten Hospizgäste (todkranke Kinder und ihre Angehörigen) sollen 2011 aufgenommen werden. Die Kosten: 4,9 Millionen Euro, der Finanzbedarf des laufenden Betriebes liegt bei einer Million Euro jährlich. Da die Finanzierung nicht durch öffentliche Mittel gesichert ist, ist Bethel dabei auf Spenden angewiesen


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Neue Westfälische / 03.10.2009

Für ein starkes Europa
EU-Kommissar fordert Politik der Haushaltskonsolidierung (Stefan Schelp)


Seit 40 Jahren ist Günter Verheugen Berufspolitiker. Erst bei der FDP, danach für die SPD.Undviele Jahre für Europa. „Da kommt nicht mehr viel dazu“, bekennt der EU-Kommissar für Unternehmen und Industrie. „Wahrscheinlich schreibe ich demnächst Bücher“, verriet er gestern Abend seinen Zuhörern in Bielefeld beim Industrie- und Handelsclub.

Wovon diese Bücher dann handeln? Selbstverständlich von Europa.Denn das habe die Wirtschaftskrise gezeigt: „Keine der europäischen Volkswirtschaften kann sich ohne eine starkes Europa im globalen Wettbewerbbehaupten.“ Zu Beginn seines Vortrags – den er ohne Manuskript hält – bittet Verheugen um Nachsicht, falls er angesichts des nahen Abschieds von der politischen Bühne melancholisch wirke. Aber davon ist nichts zu merken. Verheugen redet sich in Rage, gestikuliert, fixiert seine Zuhörer mit Blicken durch die starke Brille. „Es reicht einfach nicht aus, wenn unsere Unternehmen gut sind. Wir brauchen den politischen Rahmen. Und den kann uns nur ein starkes, einiges Europa bieten.“

Wenn der neue EU-Vertrag jetzt nicht zustande komme, spiele Europa in Zukunft keine Rolle mehr. „Die neue Weltordnung wird keine G 8 bestimmen. Auch keine G 20. Was wir kriegen, ist eine G 2 aus den USA undChina“, warnt Verheugen. „Wir brauchen den Vertrag, um uns zu behaupten.“ Und etwas leiser: „Und wenn er nur dafür gut sein sollte. . .“

Auf die neue Bundesregierung komme daher eine große Aufgabe zu. Deutschland sollte eine stärkere Führungsrolle übernehmen in Europa. „Wir sind die größte wirtschaftliche Macht. Wir müssen auch die Verantwortung annehmen.“ Die USA und Europa hätten sich in der Krise in einem zuvor nicht vorstellbaren Maße verschuldet. Diese Last lasse sich nur durch ein „exorbitantes Wirtschaftswachtum“ abbauen. „Vier bis fünf Prozent müssten es sein. Ich bezweifle, dass das möglich ist.“ Daher brauche Deutschland eine konsequente Politik der Haushaltskonsolidierung. Und eine Bundesregierung, die bereit sei, dies anzugehen. „Mit Steuersenkungen funktioniert das ganz sicher nicht“, mahnt Verheugen. Gute Ratschläge kann er sich nicht verkneifen. Nochist er eben Politiker.


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Neue Westfälische / 25.06.2009

Russland erwartet keine schnelle Erholung
Kotenev: „Deutschland das wichtigste Exportland“ (Andrea Frühauf)


Der russische Botschafter in Deutschland, Vladimir Kotenev, versteht die Angst der Deutschen nicht, dass Russland eines Tages den Gashahn abdrehen und die Lieferungen stoppen könnte. „Wir importieren aus der EU mehr als 60 Prozent der Lebensmittel, vor allem aus Deutschland. Müssen wir uns fürchten, dass wir nichts mehr zu beißen haben?“, fragt er seine Zuhörer.

Kotenev, der auf Einladung des Industrie- und Handelsclubs OWL in Bielefeld sprach, betont: „Wir liefern Gas seit mehr als 30 Jahren an Westdeutschland.“ Erst jetzt habe es Probleme gegeben. Schuld hätten aber die Transitländer. Deshalb plane Russland neue Pipeline-Projekte – ohne Transitländer – um die Sicherheit der Lieferungen nach Westeuropa zu erhöhen. „Auch wir werden von der Ukraine erpresst“, sagt Kotenev. Und er wundert sich, warum ausgerechnet EU-Mittel in die ukrainische Pipeline-Modernisierung fließen. „Das ist eine Rechnung ohne Russland.“

Russland schätze die wirtschaftlichen Beziehungen mit Deutschland positiv und nachhaltig ein. „Deutschland ist das wichtigste Exportland für Russland.“ Seit 2001 hat sich die Zahl der deutschen Unternehmen in Russland auf 6.000 verdoppelt. Zwei Drittel davon sind Mittelständler. Der gegenseitige Handelsumsatz zwischen Russland und Deutschland wuchs 2008 um 19,7 Prozent auf 68,2 Milliarden Euro. Kotenev will mit Vorurteilen gegenüber Russland aufräumen. „Die soziale Marktwirtschaft ist unser Ziel.“ Er betont: „Wir haben keine Probleme mit deutschen Unternehmenspartnern.“ Der staatliche Atomkonzern Rosatom und Siemens strebten durch die Zusammenarbeit in der Kernenergie die Führung auf dem Weltmarkt an.

Im geplanten Zusammenschluss von Opel mit Magna und dem russischen Autobauer Gaz sieht er eine „einzigartige Chance“. Der russische Automarkt könne langfristig der größte in Europa werden. Autos würden auch in andere GUS-Staaten und nach Asien geliefert. „In Russland haben 1.000 Personen 250 Autos, in Deutschland sind es 550.“ Selbst auf die kritische Nachfrage nach den in Russland erhöhten Schutzzöllen, die auch den Harsewinkler Mähdrescherbauer Claas treffen, findet er eine diplomatische Antwort: „Wir wollen auch VW in Russland schützen.“

Die Krise trifft Russland schwer. Laut Prognose werde das Bruttoinlandsprodukt 2009 um 6 bis 8 Prozent sinken. Im ersten Quartal brachen die Exporte um 45 Prozent ein, die Importe um 36 Prozent und die Industrieproduktion um 14,3 Prozent. Kotenev: „Es ist in den nächsten Jahren keine schlagartige Besserung zu erwarten.“


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Neue Westfälische / 24.06.2009

Der Diplomat und die Frauen
Vladimir Kotenev in Bielefeld (Heidi Hagen-Pektemir)


Das Thema klingt sachlich: Um die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen ging es gestern Abend beim Vortrag des Botschafters der russischen Föderation, Vladimir V. Kotenev. Dass der Veranstaltung des Industrie- und Handelsclubs (IHC) dennoch ein gewisser Glamourfaktor anhaftete, mag der Anwesenheit einiger Damen der Gesellschaft zu verdanken sein – oder ganz einfach dem Ambiente. Im Dr.-Wolff-Institut an der Stadtheider Straße geht es um Schönheit und Jugend.

Das Schulungszentrum ist vier Jahre alt. Doch Nicole Seidensticker-Delius besucht es zum ersten Mal. Außerdem hat es ihr Vladimir Kotenev angetan. „Den habe ich schon mal in der Stadthalle gehört. Ein toller Mann“, sagt die Präsidentin des Rotary-Clubs Sparrenburg.

Kotenev, der prominente Gast, trifft fast pünktlich ein. Das Foyer des Instituts hat sich inzwischen gefüllt, viele der Gäste haben – zum wievielten Mal an diesem Tag? – ihre Enttäuschung über Arminia in Worte gefasst. Und Wolff-Geschäftsführer Eduard Dörrenberg konnte die von ihm verehrte Großmutter Doris Wolff herzlich mit Wangenküssen begrüßen. „Wir sehen uns jeden Tag“, verrät er. Und noch etwas. Seine Omi feiert in zwei Wochen ihren 89. Geburtstag.

Im Gefolge Kotenevs: seine Frau Maria, außerdem Elizabeth Prinzessin in Bayern und deren Mann, Katag-Chef Dr. Daniel Terberger. Der Besuch zuvor bei Dr. Rainer Zinkann (Miele) in Gütersloh hatte sich nur unwesentlich verzögert.


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Neue Westfälische / 16.05.2009

Ganz in grüner Hand
Früherer Umweltminister Jürgen Trittin gab sich bei seinem Auftritt
vor dem IHC als Wirtschaftspolitiker
(Lothar Schmalen)


So grün war der Industrie- und Handelsclub noch nie: Zum Auftritt des streitbaren Ex-Umweltministers Jürgen Trittin vor dem IHC am Freitagabend im Lessinghaus kamen die Grünen in Scharen: Die Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann, der frühere grüne Regierungspräsident Andreas Wiebe, die grüne Oberbürgermeisterkandidatin Marianne Weiß, Ratsfraktionsgeschäftsführer Klaus Rees, der Altgrüne Uwe Günther, Wilfried Lütkemeyer und eine Reihe grüner Ratsherren – sie alle gaben dem von Unternehmer Reinhard Zinkann (Firma Miele) geleiteten Vortragsabend eine besondere Note.

Trittin selbst gab sich bei seinem Vortrag vor allem als Wirtschaftspolitiker. Der gebürtige Bremer und jetzige Niedersachse, der zurzeit stellvertretender Vorsitzender der grünen Bundestagsfraktion ist und immer noch zu den bekanntesten grünen Persönlichkeiten in Deutschland gehört, stellte seinen Zuhörern die wirtschaftspolitischen Vorstellungen einer sich immer mehr zur gesellschaftlichen Mitte hin verändernden grünen Partei vor. 1.000.000 Job will die Ökopartei in den nächsten Jahren mit einer Politik schaffen, die vor allem auf Wachstum im Bereich der Umwelttechnologie setzt. Ihre Hoffnungen setzen Trittin und die Grünen dabei besonders auf regenerative Energieerzeugung und umweltfreundliche Autotechnologie. Und als der früher so linke Trittin dann auch noch sagte: „Staatliches Wirtschaften darf kein Ziel auf Dauer sein, sondern kann nur eine Übergangslösung sein“, da wunderten sich manche altgediente IHC-Mitglieder denn doch.

Fragen nach Koalitionsperspektiven oder gar persönlichen Ambitionen des früheren Ministers nach Ende des Vortrags prallten an Trittin allerdings ab wie von einer Gummiwand. Ob er sich eher Rot-rot-grün oder eine Ampelkoalition vorstellen könne? Trittin antwortete vieldeutig und ohne klare Festlegeung: „Die Welt ist komplizierter geworden.“ Auf eine Nachfrage immerhin: Eine Jamaica-Koalition könne er sich nicht vorstellen, weil es sicher schwierig werde, vier Parteien (CDU, CSU, FDP und Grüne) unter einen Hut zu bringen. Welches Amt er nach der Bundestagswahl anstrebe? Auf jeden Fall wolle er nicht Familienministerin Ursula von der Leyen beerben.


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Westfalen-Blatt / 16.05.2009

Erst ein Tee und dann zum IHC
Grüner Spitzenmann Jürgen Trittin bei Unternehmern im Lessinghaus
(Michael Diekmann)


Er kam im ICE, mit Fraktionskollegin Britta Haßelmann aus Berlin. Bei Freunden an Sieben Hügel nahm er einen Tee. Und am Abend legte Jürgen Trittin den Gästen des IHC im Lessinghaus das grüne Wahlprogramm dar.

Der Beamer bleibt kalt im Clubraum. Auf die angekündigte Power-Point-Präsentation verzichtet Jürgen Trittin gern: »Haben sie doch jeden Tag. Ohne ist viel spannender.« Spricht`s und legt los. Gleich nach der Begrüßung durch IHC-Vorstand Reinhard Zinkann und Thomas Elshorst. »Sie kennt ja sowieso jeder«, unterstreicht Zinkann, warum er etwas länger an den richtigen Worten für die Begrüßung habe tüfteln müssen. Dass man unterschiedlichen Parteien und Konzepten nahesteht, stellt der Miele-Boss gleich zu Anfang klar. Spart aber nicht mit Anerkennung für grüne politische Arbeit am Bewusstsein der Gesellschaft. Ohne die Grünen, versichert Zinkann, seien manche Dinge im Lande anders gelaufen. Trittin macht den Freitag für die Gäste des Industrie- und Handelsclub zu einem angenehmen Abend. Im kleinen Kreis diskutieren, das ist sein Ding. Grüner Standpunkt, hanseatisch verpackt im grauen Business-Anzug. Was die Grünen in den kommenden vier Jahren wollten, betont Trittin, könne man in drei Worte fassen: eine Million Arbeitsplätze. Die Auswirkungen der drei Krisenfaktoren Klima, Wirtschaft und Hunger vermag er ebenso fundiert zu schildern wie er die außerordentlichen Möglichkeiten erneuerbarer Energien für den Arbeitsmarkt skizziert.

Trittin im Lessinghaus, ein klein wenig wie ein Heimspiel. Viele Grüne sind gekommen. Von OB-Kandidatin Marianne Weiß gibt es ein Küßchen. Trittin bleibt zum Essen. Schläft bei Freunden in Bielefeld. Und trifft am Samstag DGB-Chef Michael Sommer. Welches Thema? Eigentlich klar. Europa. Ist ja Wahlkampf.


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Westfalen-Blatt / 27.04.2009

Perfekte Guido-Show begeistert Unternehmer
(Michael Schläger)


Was Deutschland jetzt braucht, soll FDP-Chef Guido Westerwelle am Samstag vor den Mitgliedern des Industrie- und Handelsclubs erklären. »Ein faires Steuersystem«, lautet die Antwort des Liberalen.

Einer wie Guido Westerwelle, dem Privat vor Staat geht, hat es in diesen Tagen schwer. Die Rufe nach der öffentlichen Hand werden lauter. Sie soll immer häufiger für die Wirtschaft in die Bresche springen. Bei den Banken. Bei Opel. Bei Arcandor.

Mit einer Prise Humor und rhetorisch überaus geschickt legt Westerwelle vor rund 230 durchaus angetanen Zuhörern im Schüco Technology Center seine Sicht der Dinge dar. Es ist die perfekte Guido-Show.

»Es ist mittlerweile eingerissen, mit Milliarden zu jonglieren wie mit Monopoly-Geld«, sagt er. »Das ist aber nicht Geld von Merkel oder Steinbrück, das ist Ihr Geld«, zeigt er aufs Publikum.

»Unser Ziel ist es, dass unsere Bürger reich werden«, hat ihm kürzlich ein kommunistischer Parteifunktionär bei einem China-Besuch gesagt. »Stellen Sie sich vor, so etwas würde ich in Deutschland sagen. Ich bekäme mindestens Einreiseverbot ins Saarland.«

Die Neidgesellschaft nimmt Weterwelle aufs Korn, die sich an der Höhe der Managergehälter abarbeite. Dabei würden die Riesen-Gehälter von Sportstars toleriert. Oder die Gagen von Künstlern. »Anna Netrebko macht an einem Abend mehr als die Bundeskanzlerin im ganzen Jahr.«

Verräterisch sei oft die Wortwahl, sagt er, macht dies am Begriff »Steueroase« deutlich: »Das bedeutet ja, dass um die Oase herum Ödnis herrscht«, sagt Westerwelle und ist bei seinem Lieblingsthema, der Steuerreform.

Angesichts der aufgehäuften Schulden könne sich Deutschland ein neues Steuersystem nicht leisten, werde ihm oft entgegengehalten. »Das sehe ich ganz anders. Ein faires Steuersystem ist Voraussetzung für gute Staatsfinanzen.«

Die Mittelschicht ächze unter der Steuerlast. 50 Prozent der Bevölkerung erwirtschafteten heute 94 Prozent des Einkommens. Da werde es leistungsbereiten Menschen oft verwehrt, ihr Lebensglück zu machen, weil viele unter einer Steuer- und Abgabenquote von 50 Prozent litten. Westerwelle warnt vor Verstaatlichungen wie bei der Hypo Real Estate inzwischen gesetzlich sanktioniert und davor, dass sozialistische und kommunistische Gedankengänge aufgrund der Krise auf einmal wieder Raum fänden.

Dafür gibt's reichlich Beifall vom Publikum. Für Guido Westerwelle ist der Besuch beim IHC fast ein Heimspiel. Der nächste Gast, Jürgen Trittin von den Grünen, wird's schwerer haben.


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