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Westfalen-Blatt / 20.01.2009
Zum Erfolg führt kein Lift, aber die Treppe
IHC-Empfang stellt Familienunternehmen ins Zentrum (Burgit Hörttrich)
„Familienunternehmer tragen mehrfache Verantwortung – für das Unternehmen, für die Mitarbeiter und für das Land“. Das sagte gestern Abend Dr. Reinhard Zinkann, Mitinhaber und Geschäftsführer von Miele. Er war Redner des Neujahrsempfangs, zu dem der Industrie- und Handelsclub OWL seine Mitglieder eingeladen hatte. Zwar gab es aus Krankheitsgründen mehrere Absagen, aber die Warteliste ist alljährlich lang – Anmeldungen werden nach der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Schließlich hat der IHC, der in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert, gut 800 Mitglieder.
An festlich gedeckten Tischen erwartete die letztendlich 220 Gäste im großen Ratssaal ein Menü mit Pimiento-Peperonisuppe mit Krustentierspieß, Hüfte vom Milchkalb in einer Senfkornsoße, Gemüsejulienne und Kartoffelstrudel, zum Dessert gab es Latte Macchiatomousse, Apfelcrumble mit Carameleis. Zinkann machte „Führung und Haltung von Familienunternehmen“ zum Thema des Abends. Er betonte, als Familienunternehmer sei er schließlich „Überzeugungstäter“. Der durchschnittliche Vorstandsvorsitzende bleibe ungefähr fünf Jahre im Amt; deshalb sei sein Blickwinkel auf die nächste Zukunft und die Steigerung des Börsenwertes des Unternehmens gerichtet.
Ein Familienunternehmer habe dagegen als wichtigstes Ziel, so Zinkann, „später einmal ein gesundes Unternehmen an die nächste Generation zu übergeben.“ Seiner Überzeugung nach sollte ein Unternehmen nicht nur wirtschaftlich gesund sein, sondern auch „in seiner geistigen Haltung und seinem Klima“. Zinkann zitierte seinen Großvater, der immer gesagt habe: „Zum Erfolg führt kein Lift, da muss man die Treppe steigen, häufig herauf, aber auch manchmal herunter. Auf der Treppe trifft und spricht man Menschen – im Aufzug hat man dazu keine Zeit.“ Es gehe also darum, zuzuhören und Positives wie Negatives konstruktiv aufzunehmen. Auch ein Misserfolg, aus dem die richtigen Konsequenzen gezogen würden, könne letztlich Positives bewirken.
Zu den Gästen gehörten IHK-Präsident Ortwin Goldbeck, Eduard R. Dörrenberg (Alcina) und Daniel Terberger (Katag), SPD-Bundestagskandidat Guntram Schneider, Arminia-Geschäftsführer Roland Kentsch, der ehemalige IHC-Präsident Karl Fordemann, Bürgermeister Horst Grube, der frühere IHK-Präsident Herbert Sommer.
Neue Westfälische / 19.11.2008
Eine Branche ohne Konkurrenzdruck
Wolfgang Ziebart referierte über Halbleiterindustrie (fred)
Wesentlich dynamischer und innovativer als andere Branchen: So beschreibt Wolfgang Ziebart, der bis Mai 2008 Vorstandsvorsitzender von Infineon war, die Halbleiterindustrie. Auf Einladung des Industrie- und Handelsclub Ostwestfalen-Lippe hielt Ziebart gestern Abend in Bielefeld einen Vortrag über die stetige Veränderung der Branche, deren Wachstumstreiber und Zukunftschancen.
"Die Halbleiterindustrie hat eigene Zyklen entwickelt. Im Gegensatz zu anderen Branchen zählt nicht die Nachfrage, sondern die Technologieschübe sind wichtig für das Wachstum", informierte der 58-Jährige. Die Zahl der Halbleiterunternehmen sei in den letzten Jahren zwar signifikant gestiegen. Allerdings seien die Technologie so teuer geworden, dass keine Firma am Markt die Kosten mehr alleine stemmen könnte. "Die Unternehmen arbeiten in Konsortien zusammen und lassen Chips in Asien produzieren. Dadurch ist der Konkurrenzdruck nicht mehr da."
Durch den Wegfall der Konkurrenz sei es für die Unternehmen daher viel entscheidender, auf Kundenansprüche zu reagieren. "Lösungen für den Kunden zu entwickeln sichert in der Halbleiterindustrie die Profitabilität", betonter Ziebart. Für die Unternehmen sei es wichtig, sich auf bestimmte Segmente wie GPS oder Bluetooth-Funktionen bei Handys zu spezialisieren.
Als derzeitige und zukünftige Wachstumstreiber sieht Ziebart den Einsatz von Chips in der Autoindustrie, in der Handybranche und bei Sicherheitslösungen. Chips würden für den Schutz von Daten, Informationen und Gütern eingesetzt. "Die höchsten Anforderungen an die Sicherheit liegen derzeit bei Karten für Pay-TV-Angebote." Großes Zukunftspotential sieht Ziebart im Bereich der Energieeffizienz: "Jedes elektronische Produkt kann durch den Einsatz von Halbleitern in seiner Effizienz verbessert werden."
Neue Westfälische / 25.09.2008
Machen statt schnacken
Dr. Michael Otto
Diesmal war die Vortragsveranstaltung des Industrie- und Handelsclubs (IHC) dem Club-Präsidenten ein persönliches Anliegen. Dirk U. Hindrichs, nicht nur Spitzenmann des IHC, sondern auch Chef der Bielefelder Schüco-Gruppe, gehört wie der Referent des Abends, Michael Otto, zum Kreis der Initiative "2 Grad - Deutsche Unternehmer für Klimaschutz". "Unternehmerisches Handeln für den Klimaschutz" war das Thema des 65-jährigen Hamburgers, der einst den Otto-Versand zu einem global agierenden Handelshaus machte und heute an der Spitze des Aufsichtsrates der Otto-Gruppe steht. Schon 1986 erklärte Otto den Umweltschutz offiziell zum Unternehmersziel und löste damit bei vielen seiner Unternehmerkollegen eher Kopfschütteln aus. Inzwischen wirbt Otto für die Auffassung, dass Klimaschutz das unternehmerische Handeln nicht behindere, sondern sogar fördere, Kosten senke und zur Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft beitrage. "Nich schnacken, sondern machen" heißt denn auch - leicht hamburgisch eingefärbt das Lebensmotto des erfolgreichen Unternehmers und Umweltschützers.
Neue Westfälische / 25.09.2008
Ökonomische Logik statt grüner Welle
Michael Otto kämpft für den Klimaschutz (Michael Schelp)
"Was sind schon zwei Grad?", fragte Dirk U. Hindrichs, Gastgeber beim Industrie- und Handelsclub (IHC), "Duschen bei 35 oder 37 Grad. Den Unterschied merkt keiner." Beim vom Menschen verursachten Klimawandel sind dagegen zwei Grad mehr verheerend.
Zwei Grad, das ist das, was die Erde gerade noch verkraften kann. Erwärmt sich der Planet stärker, sind die Folgen unumkehrbar. Deshalb hat Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto-Gruppe, die "Initiative 2 Grad - Deutsche Unternehmer für Klimaschutz" gegründet. Beim IHC warb er gestern Abend um Unterstützung für sein Projekt - mit drastischen Szenarien. "Steigt die Temperatur weiter, werden riesige Landstriche unbewohnbar", mahnte er. "Dann schmilzt das Grönlandeis, der Meeresspiegel steigt dadurch um sechs Meter. Und die Migrationsströme erreichen ungeahnte Ausmaße."
Aber auch die Ökonomie werde von der Klimakatastrophe direkt getroffen. Das weltweite Bruttosozialprodukt werde dadurch bis zum Jahr 2200 jährlich um fünf Prozent schrumpfen. Ein negatives Szenario spreche sogar von 35 Prozent. "Dafür fehlt mir die Vorstellungskraft", bekannt Otto, "Dann wird es nicht mehr die Gesellschaftform geben, die wir uns wünschen." Schon heute sei der Klimawandel ökonomische Realität. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung kostet er bis 2050 rund 600 Milliarden Euro. Dennoch wolle Otto nicht zu den Schwarzmalern gehören. "Wir können erfolgreich gegensteuern", sagte er. "Ich glaube nach wir vor an die Vernunft der Handelnden."
Denn um die Erderwärmung nicht über mehr als zwei Grad steigen zu lassen, seien nur Investitionen im Wert von einem Prozent des Bruttosozialprodukts nötig. "Das ist keine grüne Welle, das ist ökonomische Logik". Effizienter Klimaschutz sei machbar und unternehmerisch lohnend. "Lassen Sie uns mit Leidenschaft und Kreativität für die Modernisierung des Staates kämpfen", warb er. Dieses Signal müssten die Unternehmenslenker den Mitarbeitern geben. "Das muss von oben kommen."
Westfalen-Blatt / 25.09.2008
Klimaschutz rechnet sich
Michael Otto referiert in Bielefeld (Kathrin Brinkmann)
Umweltschutz kann ein richtig gutes Geschäft sein. Otto-Aufsichtsrat Dr. Michael Otto rechnete den Gästen im Bielefelder Lessinghaus gestern vor, wie es geht.
Vor 22 Jahren hat er den Umweltschutz zur Chefsache und zu einem der Ziele der Handels- und Dienstleistungsgruppe Otto erklärt. "Die Diskussion um den Klimaschutz bedarf des unternehmerischen Handelns - heute dringender denn je", sagte er bei der Veranstaltung des Industrie- und Handelsclubs (IHC) Ostwestfalen-Lippe.
Viele Firmen würden immer noch die Kosten umweltfreundlicher Innovationen scheuen. "Dabei ist der Schutz der Umwelt heute ein profitables Geschäft." Wer seinen Energiekonsum reduziere, spare nicht nur Geld. Auch die Kunden würden beim Kauf von Produkten mittlerweile der Energieeffizienz immer mehr Bedeutung beimessen. "Während früher die Limousine oder der große Geländewagen nachgefragt wurde, ist heute das Auto mit dem niedrigsten Kraftstoffverbrauch gefragt", sagte Otto.
Kernproblem sei dennoch, dass viele Unternehmen ihren Beitrag zur Rettung der Umwelt bereits als erbracht ansähen. "Die Wirtschaft muss aus ihrer schmollenden Defensivposition heraus kommen. Auf Worte folgen immer noch viel zu wenig Taten."
Bei vielen Firmen zeichne sich aber bereits eine Neuorientierung ab. "Nicht zuletzt ist Deutschland größter Exporteur von Umweltschutzgütern." Otto forderte die Unternehmer der Region auf, eine Vorbildrolle zu übernehmen. "Wir sollten demonstrieren, dass Klimaschutz sich lohnt." Die regionalen Unternehmer sollten dabei vorangehen. Er forderte die Firmenchefs auf, das zu tun, was sie am besten können: durch Innovationen neue Märkte erschließen.
Neue Westfälische / 03.09.2008
Unbekanntes Ostwestfalen
Franz Fehrenbach - Robert Bosch GmbH
Wofür der Industrie- und Handelsclub zu Bielefeld (IHC) nicht alles gut ist. Noch nie in seinem nun schon 59 Jahre dauernden Leben war Franz Fehrenbach, als Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH immerhin Chef eines der größten deutschen Unternehmen (46 Milliarden Euro Umsatz, 280.000 Mitarbeiter), in Ostwestfalen. Der IHC und sein Präsident Dirk U. Hindrichs machten es möglich und luden Fehrenbach, der, obwohl er gebürtiger Badenser ist, das schwäbische Vorzeige-Unternehmen führen darf, einfach ein, in den Teutoburger Wald zu kommen. Dort sollte er vor dem IHC im Lessinghaus über seine erfolgreiche und schon seit 100 Jahren global agierende Firma sprechen. Dabei war Hindrichs nur durch eine Niederlage auf die Idee gekommen, den obersten Bosch-Mann nach Bielefeld zu bitten. Beim deutschen Marketing-Preis nämlich hatten Fehrenbach und Bosch dem Kollegen Hindrichs und seiner Firma den ersten Platz weggeschnappt. Schüco wurde nur Zweiter - als Entschädigung versprach Fehrenbach, ins ihm unbekannte Ostwestfalen zu kommen. Gestern war es soweit. (los)
Neue Westfälische / 03.09.2008
Paradestück der Industriegeschichte
Bosch-Chef Fehrenbach über Zukunftsperspektiven (Lothar Schmalen)
Die Bosch-Gruppe will ihren Umsatz in den nächsten sieben Jahren verdoppeln. 90 Milliarden Euro hat Franz Fehrenbach, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, als Ziel bis 2015 vorgegeben. Fehrenbach sprach gestern Abend vor dem Industrie- und Handelsclub (IHC) in Bielefeld.
Der 59-Jährige Unternehmens-Chef ist ein Bosch-Mann durch und durch. Sein gesamtes Berufsleben verbrachte der im badischen Kenzingen geborene Manager bei der schwäbischen Vorzeige-Firma. 1976 begann er als Fachreferent im Büro der Geschäftsleitung. Seit 2003 steht er an der Spitze des Unternehmens, das in seinen Strukturen stark an den Gütersloher Bertelsmann-Konzern erinnert. Wie Bertelsmann ist auch die Bosch-Gruppe im Besitz einer Stiftung, der Robert-Bosch-Stiftung. Sie hält zwar 92 Prozent der Anteile, hat aber keine Stimmrechte. Die wiederum sind zu 93 Prozent in der Robert Bosch Industrietreuhand KG angesiedelt, in der externe und firmeneigene Manager (darunter auch Fehrenbach) gemeinsam mit einem Bosch-Enkel die Unternehmensgruppe gemeinsam steuern.
"Kraftvoll und reich", so verfügte Unternehmensgründer Robert Bosch (1861 - 1942) einst, sollten seine Nachfolger die Firma führen. Und so übersetzt Fehrenbach diesen Grundsatz in die heutige Zeit: Der Umsatz der Gruppe soll jährlich um acht Prozent wachsen, ebenfalls acht Prozent soll die Umsatzrendite (Ergebnis vor Steuern) betragen.
Einst führte Robert Bosch als erster Unternehmer überhaupt den Acht-Stunden-Tag für seine Mitarbeiter ein. Später gab es sogar einen freien Samstagnachmittag. Seine Unternehmerkollegen nannten ihn deshalb den "roten Bosch". Aus dem roten Bosch will jetzt ein grüner Bosch werden. Das schwäbische Unternehmen will in den kommenen Jahren verstärkt im Bereich der regenerativen Energie tätig werden. So verspricht sich Fehrenbach auch auf dem Feld der Solarthermie und der Photovoltaik gute Umsätze.
Westfalen-Blatt / 03.09.2008
Die Zukunft gehört kleinen grünen Autos
Bosch setzt auch auf regenerative Energien
Außer rot auch grün, außer groß auch klein: Frank Fehrenbach, seit 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung bei Bosch, setzt der Firmengruppe neue Ziele. Der Umsatz von 46,3 Milliarden Euro soll sich bis 2015 verdoppeln. Neue automobile Techniken trügen dazu ebenso bei wie neue Geschäftsfelder, sagte Fehrenbach gestern beim Industrie- und Handelsclub in Bielefeld.
Nicht nur das Logo ist rot. Die Firmengeschichte selbst ist gespickt mit sozialen Errungenschaften. Robert Bosch war Fehrenbach zufolge einer der ersten, der den Acht-Stunden-Tag und den freien Samstag einführte. Seit 1934 profitieren die heute 280 000 Mitarbeiter zudem von der Arbeits- und Erfolgsprämie, einer der ersten Beteiligungsformen.
Die grüne Phase begann mit dem Einstieg in Technik für regenerative Energien. Nach Kauf von Ersol erzielt Bosch in dem Sektor einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Neu sind Schritte zur Produktion von Feinsensoren für die Medizin. Wachstum sieht Fehrenbach bei kleinen Autos mit Verkaufspreis weniger als 7000 Euro. Beim indischen Nano, das weniger als 1700 Euro kosten soll, ist Bosch seit Beginn dabei. Mit Samsung entwickeln die Schwaben Batterien für Elektroautos.
Bosch gehört größtenteils der Bosch-Stiftung. Fehrenbach fasste die Leitlinien erstmals schriftlich. Ein grundlegendes Motiv geht auf den Gründer selbst zurück. Bosch sagte 1922: "Eine anständige Art der Geschäftsführung ist auf die Dauer die einträglichste."
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