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Westfalen-Blatt / 20.05.2008
Professor kämpft für eine vernünftige Welt
Radermacher fordert ökosoziale Marktwirtschaft (Edgar Fels)
Für eine "vernünftige Welt", in der nicht mehr wie heute Tag für Tag 24000 Menschen verhungern müssen und in der die Schere zwischen Arm und Reich sich immer weiter öffnet, ist eine ökosoziale Marktwirtschaft unabdingbar. Diese Meinung het der renommierte Wirtschaftswissenschaftler und Zukunftsforscher Professor Franz Josef Radermacher (58) gestern Abend bei einem Vortrag in Bielefeld vertreten. Große Probleme auf dem Weg zu einer "gerechten" Globalisierung, die den Anspruch hat, den Wohlstand aller Menschen zu verbessern, sieht Radermacher im derzeitigen Regelwerk des Weltfinanzsystems.
Steuerparadiese etwa müssten ausgehebelt werden, nennt der Professor aus Ulm ein Beispiel. Ein weiteres Problem sei der globale Transport von Gütern minderer Qualität. "Dabei reden gleichzeitig alle von Klimaschutz." Tatsächlich würden die Welt-Transporte national bepreist, aber nicht international. "Der Transport von Schnittblumen von Bolivien nach Holland und dann nach Japan ist hochgradig subventioniert." Radermacher sprach auf einer gemeinsamen Veranstaltung des Industrie- und Handels-Clubs (IHC) und des Marketing-Clubs OWL.
Westfalen-Blatt / 16.04.2008
Berlin behauptet sich als Hauptstadt
Wowereit wirbt um OWL-Wirtschaft (Reinhard Brockmann)
Mehr als einen Koffer in Berlin zu haben, hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit Ostwestfalens Unternehmern empfohlen.
"Investieren Sie in Berlin, das ist eine sichere Anlage", trug der Chef einer rot-roten-Landesregierung bemerkenswerte Erfolge als Gast des Industrie- und Handelsclubs OWL vor. Nach Dauersubventionierung und Rekordverschuldung schaffte die einstige Frontstadt des Kalten Krieges bereits 2007 einen ausgeglichenen Haushalt. 2008 will man den radikalen Sparkurs fortsetzten, eine halbe Milliarde Euro Plus erzielen und Kredite ablösen.
Berlin habe noch auf viele Jahre Nachholbedarf, warb Wowereit gestern um Verständnis. Die Metropole müsse noch viel tun, um an ihre alte Vorkriegsstellung anzuknüpfen, auch, um den Verlust von 200 000 Industriearbeitsplätzen nach dem Fall der Mauer aufzuarbeiten. Berlin müsse sich jetzt als Hauptstadt behaupten und bewähren.
1,7 Millionen Neuberliner seit der Wende - bei 3,4 Millionen Einwohnern - zeigten, wie sich die Stadt wandle. Gute Wachstumsraten im Tourismus, bei den Dienstleistungen und ein hoher Anteil an Forschungs- und Entwicklungs-Jobs brächten seine Stadt voran, warb Wowereit.
Berlin wolle niemandem etwas wegnehmen, aber der Zuwachs von Arbeit, Kapital und Kreativität bedeute auch Ausgleich für jahrzehntelange vorenthaltene Chancen. Im Vergleich zu den Metropolen London, Paris und New York sei seine Stadt arm. Aber noch günstige Wohnkosten hätten zur Immobiliennachfrage aus ganz Europa geführt. Billigflieger bescherten der Stadt 17,3 Millionen Übernachtungen im Städtetourismus und Kongressgeschäft. Seit 1993 habe sich die Zahl der Hotelbetten auf 93 000 mehr als verdoppelt. 50 Hotels seien im Bau - und ein Ende des Booms dank derer, die alle einen Koffer in Berlin haben, nicht in Sicht.
Neue Westfälische / 16.04.2008
Wowereit zieht an
200 IHC-Mitglieder lauschten dem SPD-Politiker (los)
Er ist Deutschlands bekanntester Bürgermeister und gleichzeitig einer der schillernsten Politiker der Republik. Und obwohl er in seiner Heimatstadt mit der Linkspartei koaliert, konnten sich auch die nicht gerade als links verschrieenen Mitglieder des Bielefelder Industrie- und Handelsclubs (IHC) gestern Abend seiner Anziehungskraft nicht entziehen. Klaus Wowereit, seit 2001 Regierender Bürgermeister von Berlin, sprach gestern in einer der größten IHC-Veranstaltungen seit langem vor mehr als 200 Zuhörern in der voll besetzten Hechelei über "Chancen Berlins als kreative und innovative Metropole". Vor allem mit seinem Plädoyer für eine Sanierung des Berliner Haushalts erntete er beifälliges Nicken von Bielefelds Oberbürgermeister, den Wowereit mehrmals mit "Kollege David" ansprach.
Und auch seine Zusammenarbeit mit der Linkspartei in Berlin verteidigte er gegen kritische Anfragen aus dem Unternehmerlager. Aus dem Auto heraus, auf dem Weg von Berlin nach Bielefeld, hatte das Oberhaupt der deutschen Hauptstadt zuvor der Neuen Westfälischen ein Interview gegeben.
Westfalen-Blatt / 13.03.2008
Eine Prise Welt schnuppern
IHC vergibt zwei Förderpreise 2008 (Michael Diekmann)
Annika Schulte (24) büffelte gerade an der Universität im finnischen Tampere. Valentina Ikstadt (25) ist eigens von der Universität von Greenwich aus England nach Bielefeld gejettet, um sich ihren IHC-Förderpreis im Kleinen Saal der Oetkerhalle abzuholen. Die beiden Frauen stehen stellvertretend für die neue Generation des Management-Nachwuchses, der nach konzentriertem Studium und exzellenter Auslandserfahrung das ausgezeichnete Profil Ostwestfalens weiter schärft, wenn es um die Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft geht.
Annika Schulte studiert an der Fachhochschule Bielefeld im europäischen Studiengang Management, absolviert gerade ihr Auslandssemester. Gelernt hat sie Speditionskauffrau bei Hellmann Logistics.
Valentina Ikstadt studiert an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe Wirtschaftsingenieurwesen Bau, ist gelernte Bauzeichnerin. Ihr dreimonatiges Stipendium von 3600 Euro soll sie nach New York führen. Betreut werden die beiden Stipendiaten des Jahres 2008 von Christiane Gräfin Matuschka, die auch an dem dreistufigen Auswahlverfahren der Bewerber von Hochschulen und IHC beteiligt war und das neue Profil des einstigen IHC-Förderpreises erarbeitet hat. Der heißt jetzt IPP, das steht für Internationales Partnerschafts-Projekt.
In der globalisierten Wirtschaft reicht fachliche Kompetenz nicht mehr aus. Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit, Organisationstalent und internationale Tätigkeit sind gefragt, ganz abgesehen von Fremdsprachenkenntnissen. Der IHC hat das bisherige Förderprogramm deshalb umgestellt, erklärt Präsident Dirk U. Hindrichs. Das IPP wird gemeinsam mit den Fachhochschulen Bielefeld und Lippe/Höxter sowie den Universitäten Paderborn und Bielefeld durchgeführt.
Das IPP erstreckt sich über ein Jahr, beinhaltet einen dreimonatigen Auslandsaufenthalt in einem international tätigen Unternehmen sowie die entsprechende Vorbereitung der Teilnehmer. Hochschule, Teilnehmer und Partnerunternehmen erarbeiten das Programm gemeinsam. Annika Schulte möchte in einem halben Jahr aus Finnland zurück nach Bielefeld an die Fachhochschule kommen. Valentina Ikstadt ist ebenso begeistert von IPP: " Der IHC gibt uns die außergewöhnliche Möglichkeit, als Stipendiaten Auslandserfahrung zu sammeln. Wir sind sehr glücklich darüber."
Neue Westfälische / 13.03.2008
Tosender Applaus für Erhard Kiezewski
IHC-Mitglieder ehren den scheidenden Geschäftsführer (Tanja Babic)
Mit Standing-Ovations und tosendem Applaus zeigten die Mitglieder des Industrie- und Handelsclubs Ostwestfalen-Lippe (IHC) Erhard Kiezewski ihren Respekt. Der 80-jährige Volkswirt hielt gestern Abend zum letzten Mal in seiner Rolle als IHC-Geschäftsführer auf der Jahreshauptversammlung des Wirtschaftsclubs im Kleinen Saal der Rudolf-Oetker-Halle eine Rede. Er scheidet nach 20-jähriger Tätigkeit als Geschäftsführer aus dem Amt.
"Das ist kein Grund zum Trübsal blasen", sagte Kiezewski. Es sei kein Abschied fürs Leben. "Ich bleibe dem IHC erhalten." Seinem Nachfolger Thomas Elshorst, dem er das "Staffelholz" im Laufe des Jahres übergeben will, wünscht Kiezewski Leidenschaft, Idealismus und eine stabile Gesundheit. "Thomas, Du bist der Beste, den der Markt uns beschert hat", sagte er zu dem 58-Jährigen.
Auf dem Ball der Wirtschaft, am 8. November in der Stadthalle, wird Erhard Kiezewski gebührend vom Präsidium verabschiedet. Das teilte IHC-Präsident Dirk U. Hindrichs mit. Hindrichs blickte auf das Jahr 2007 zurück und gab einen Ausblick für 2008. Er freute sich, dass er für 2008 wieder interessante Referenten für IHC-Veranstaltungen gewinnen konnte. Wirtschaftsministerin Christa Thoben, Franz Fehrenbach (Robert Bosch GmbH) oder Dr. Michael Otto (Otto Group) werden Vorträge halten. Solche Veranstaltungen zu besuchen, dazu lud Hindrichs auch die beiden diesjährigen IHC-Förderpreis-Gewinnerinnen ein.
Vor der Jahreshauptversammlung wurden Valentina Ikstadt (25), Bauingenieurwesen-Studentin an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, und Annika Schulte (24), die an der Fachhochschule Bielefeld den Europäischen Studiengang Management absolviert, ausgezeichnet. Beide sind gestern eingeflogen. Die eine aus London. Die andere aus Finnland. Dort machen sie derzeit ein Auslandssemester.
Der IHC hat sein bisheriges Förderpreisprogramm umgestellt und führt nun an den Hochschulen der Region ein "International Partnership Program" (IPP) mit wirtschaftlichen Schwerpunkten durch. Die ersten gestern ernannten IPP-Preisträgerinnen profitieren davon ein Jahr lang.
Valentina Ikstadt wird von der Firma Miele gefördert und verbringt drei Monate in New York. Die Unternehmensgruppe Zumtobel Staff unterstützt Annika Schulte. Während des dreimonatigen Auslandsaufenthaltes erhalten beide Gewinner 3.600 Euro.
Neue Westfälische / 11.03.2008
Thomas Elshorst soll Erhard Kiezewski folgen
Ende des Jahres Wechsel in der IHC-Geschäftsführung (ass)
Ende dieses Jahres soll Erhard Kiezewski als Geschäftsführer des Industrie- und Handels-Clubs Ostwestfalen-Lippe (IHC) ausscheiden. Als Nachfolger gilt Thomas Elshorst.
Elshorst (58) war von 2002 bis Ende 2007 in der Geschäftsleitung der Bielefelder Commerzbank für das Firmenkundengeschäft verantwortlich. Der gebürtige Bochumer ist im aktiven Ruhestand und lebt mit seiner Familie in Bielefeld.
Volkswirt Kiezewski (80) wird nach 20 Jahren als Geschäftsführer des IHC ausscheiden. Der gebürtige Bielefelder und frühere langjährige Mitarbeiter der Deutschen Bank hat den 1979 gegründeten Club maßgeblich mitgeprägt.
Die Funktion des Geschäftsführers basiert auf einer freien Vereinbarung mit dem Präsidium des Vereins.
Neue Westfälische / 29.02.2008
Der Herr der Lüfte (los)
Es war ein kerniger Vortrag, mit dem sich Joachim Hunold, Gründer und Chef des Luftverkehrsunternehmens Air Berlin, gestern Abend beim Industrie- und Handelsclub (IHC) im Lessinghaus vorstellte. Mit 150 Zuhörern war der Vortragsraum voll besetzt. "An Bord des Lessinghauses geht es heute fast so eng zu wie bei dir im Flugzeug" sagte IHC-Präsident Dirk U. Hindrichs bei der Begrüßung von Hunold, der längst zu den erfolgreichsten Unternehmern in Deutschland (8.400 Mitarbeiter, drei Milliarden Euro Jahresumsatz) gehört. Wohl auch, weil er für seine direkte und unterhaltsame Vortragsweise bekannt ist, war das IHC-Publikum gestern Abend noch eine Spur prominenter als sonst. So lauschten unter anderem die Modeunternehmer Gerhard Weber (gemeinsam mit Gattin Charlotte Weber-Dresselhaus) und Daniel Terberger (Katag), allesamt auch gute Kunden von Air Berlin, ebenso wie Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl dem temperamentvollen Rheinländer, als er erklärte, wie er es geschafft hat, aus der kleinen Fluggesellschaft Air Berlin einen Milliardenkonzern zu machen.
Neue Westfälische / 29.02.2008
Vom Flughafen-Kellner zum Airline-Chef
Joachim Hunold zu Gast beim IHC (Martin Krause)
Joachim Hunold ist wohl das, was man einen Selfmade-Mann nennt, und das dafür nötige Selbstbewusstsein strahlt er aus allen Poren aus. "Kellnern am Flughafen Düsseldorf ersetzten ihm das Psychologie-Studium", mit diesen Worten stellte Dirk U. Hindrichs gestern seinen Gast beim Industrie- und Handelsclub OWL vor: Jenen Mann, der Air Berlin als Vorstandschef zur zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft gemacht und dadurch nebenbei auch Flughäfen wie die in Paderborn und Münster aus dem Dornröschenschlaf geküsst hat.
Hunold stelle sich selbst als Freund ehrlicher Worte und unverblümter Methoden vor, und manchmal, so räumte er ein, hat er damit auch den Kürzeren gezogen. Etwa als einstiger LTU-Manager in Düsseldorf nach einer offenbar allzu offenen Diskussion mit dem ehemaligen WestLB-Chef Friedel Neuber ("als Neuber noch regierte"). Bei LTU sei er erledigt gewesen, in Düsseldorf habe er keinen Rechtsanwalt mehr bekommen. Alles halb so schlimm:"Wer sich in seinem Lebensstandard von seinem Job abhängig macht, kann nicht mehr ehrlich sein", mahnt der 58-jährige Vater von vier Kindern, rechtzeitig Geld auf die hohe Kante zu legen.
Hunold skizzierte, mit welchen Ideen und Tricks er die 1991 aus der alten amerikanischen Air Berlin Inc. entstandene Air Berlin zum Abheben brachte: Zunächst habe er sich mit einzelnen Maschinen an die kleinen Regionalflughäfen gewandt, an denen Tag und Nacht geflogen werden konnte. Mitte der 90er Jahre habe er von Paderborn, Münster und anderen Flughäfen aus einen täglichen Shuttle nach Mallorca eingerichtet. "Hier regnet es viel, aber die Leute mögen Sonne und haben Geld", so hat er Skeptikern geantwortet.
"Billig" war nicht die einzige Idee. Hunold hatte Erfolg, er beflügelte mit seiner Airline nicht nur die kleinen Flughäfen, sondern auch den Immobilienboom auf Mallorca: Denn für Immobilien sei Erreichbarkeit entscheidend.
Nach der Übernahme von Konkurrenten (dba, LTU, Condor) hat Air Berlin die Marke von 3 Milliarden Euro Umsatz inzwischen überflogen.
Seine steile Karriere machte er, obwohl - oder vielleicht weil - er sein Jura-Studium abbrach. Ein Mann, der Einmischung nicht schätzt. Auch die Einmischung von Gewerkschaften und Betriebsräten nicht - "Mitbestimmung ist mir ein Greuel". Mit erfrischender Direktheit beschreibt Hunold, wie er störende Einflüsse etwa von Seiten seiner 8.400 Mitarbeiter möglichst klein hält. Oder wie er bei Einstellungstest die Spreu vom Weizen trennt.
Jetzt droht ihm eine neue Art von ungeliebtem Einfluss: Im Januar geb der britische Investor Rob Hersov, der sein Vermögen in Deutschland von Lars Windhorst managen lässt, den Einstieg mit 18,6 Prozent bei der Air Berlin AG bekannt. Treffen habe es bereits gegeben. Forderungen habe der Großinvestor aber bisher nicht gestellt.
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