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Westfalen-Blatt / 29.02.2008
Air Berlin fliegt auf Paderborn
Hunold beim IHC: Ausbau von Kassel-Calden macht keinen Sinn (in)
Der von der Landesregierung in Hessen geplante Ausbau des Flughafens Kassel-Calden stößt sogar bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft auf Ablehnung. "Kassel-Calden macht keinen Sinn", erklärte der Chef von Air Berlin, Joachim Hunold, gestern vor dem Industrie- und Handelsclub OWL in Bielefeld. "Ein Ausbau würde alle schwächen: die Flughäfen Paderborn und Hannover ebenso wie die Fluggesellschaften."
In der Geschichte von Hunolds Fluglinie Air Berlin spielt Paderborn - neben Münster - eine wichtige Rolle. Von hier aus startete er seinen Mallorca-Shuttle. Derzeit testet Air Berlin neue sparsamere Flugzeuge speziell für Regionalflughäfen. Ausdrücklich begrüßt Hunold den Bau einer weiteren Wartungshalle in Paderborn. Mit der wachsenden Flugzeugflotte wachse der Wartungsbedarf. "Da hat Paderborn in unserer Planung einen festen Platz", sagte Hunold.
Mitglieder des IHC müssen lange zurückdenken, um sich an einen so kurzweiligen Vortrag zu erinnern. Mit Sätzen wie "Münster war vor uns ein Restaurationsbetrieb mit Landebahn" und "Piloten müssen so viel Geld verdienen, um ihre Alimente zu bezahlen" hatte er wiederholt die Lacher auf seiner Seite. Das Lächeln der Stewardess sei das beste Marketing. Dagegen sei der Versuch, zu Jahresbeginn den Schriftzug von Air Berlin zu ändern, gescheitert und werde rückgängig gemacht.
Vorwürfe, er sei ein Klima-Schädling, wies Hunold zurück. Allein durch die Einführung einer einheitlichen Flugüberwachung könnten zehn Prozent des Flugbenzins gespart werden: "Dafür aber ist die Politik zuständig."
Westfalen-Blatt / 16./17.02.2008
Deutsche sind Pfennigfuchser
Körber: Zukunft gehört Discountern (Bernhard Hertlein)
Die Deutschen sind Schnäppchenjäger - und sie werden es auch bleiben. Jedenfalls nach Auffassung von Dr. Hans-Joachim Körber, bis zum vergangenen Jahr Chef der Metro-Gruppe.
Mehr Service, bessere Beratung, mehr Erlebnischarakter: Das sind Körber zufolge "schöne Forderungen". Die Deutschen knauserten in ihrer Mehrzahl aber zu sehr, um dafür auch zu bezahlen - und sei es auch nur ein kleines Trinkgeld.
Zum Beweis führte Körber bei seinem Vortrag auf Einladung des Industrie- und Handelsclubs Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld den anhaltenden Erfolg der Discounter an. Während viele Einzelhändler sich mit einer Rendite um die ein Prozent vom Umsatz zufrieden geben müssten, lägen andere viel höher: Lidl drei Prozent, Aldi sechs, Ikea acht, die Modehäuser H + M zehn sowie die zum Metro-Konzern gehörenden Unterhaltungselektronikanbieter Media und Saturn fürnf Prozent. Der Marktanteil der Discounter von 40 Prozent werde sich künftig eher noch erhöhen.
Körber stand insgesamt acht Jahre an der Spitze von Deutschlands größtem Einzelhandelskonzern (Kaufhof, Real, Extra, Media-Markt, Saturn, Adler, Roller). Er hat in dieser Zeit vor allem die Internationalisierung der Geschäfte vorangetrieben. Hier gebe es, zum Beispiel in Indien, noch viele unentdeckte Chancen. Dagegen gebe es in Deutschland schon zu viel Einzelhandelsfläche. Pro Kopf sei sie doppelt so groß wie beispielsweise in England und Frankreich. Auf der anderen Seite lägen die Lebensmittelpreise etwa 15 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.
Begonnen hat Körbers Karriere, der in Braunschweig geboren wurde und in Berlin Brauwirtschaft studierte, 1974 im Getränkebereich der Dr. Oetker-Zentralverwaltung in Bielefeld und später in der Geschäftsleitung der zum Nahrungsmittelkonzern gehörenden Sektkellereien.
Neue Westfälische / 15.02.2008
Discount-Anteil wird weiter steigen
Ex-Metro-Chef Hans-Joachim Körber in Bielefeld (Lothar Schmalen)
Der demographische Wandel in der Gesellschaft und der damit verbundene Anstieg des Anteils der Älteren in der Bevölkerung sind nach Auffassung von Hans-Joachim Körber die größte Herausforderung für den deutschen Handel. Körber, der bis zum Herbst 2007 an der Spitze des Handelskonzerns Metro (Real, Extra, Media-Markt, Saturn) stand, sprach gestern Abend vor dem Industrie- und Handelsclub (IHC) Bielefeld über Perspektiven für den Handel in Deutschland.
Bis 2020 betrage der Anteil der über 60-Jährigen, die wegen ihrer Finanzkraft vom Handel auch gerne als "Golden Oldies" bezeichnet werden, in der Bevölkerung 30 Prozent. Zukunft hätten nur die Handelsunternehmen, die sich rechtzeitig darauf einstellen würden, sagte Körber.
Körber, der Ende Oktober 2007 durch den von den Metro-Großaktionären Haniel und Schmidt-Ruthenbeck unterstützten Haniel-Chef Eckhard Cordes ersetzt worden war, hatte seine Karriere in den 70er Jahren bei Oetker in Bielefeld begonnen. Vor den rund 120 Zuhörern des IHC in Bielefeld nannte er drei Faktoren, die den Erfolg großer Handelsunternehmen in Zukunft bestimmen würden: 1. Sie müssen erfolgreich in der Markenentwicklung sein. 2. Sie müssen ihre Aktivitäten internationalisieren (Körber selbst stand bei der Metro für diese Internationalisierung). 3. Sie müssen für die technischen Innovationen im Handel offen sein.
Der ehemalige Metro-Chef ist sich sicher, dass der Anteil der Discounter - zurzeit schon 44 Prozent des deutschen Handels - weiter steigen werde. Längst stimme in den Discount-Märkten die Qualität der Produkte, aber auch der Ertrag, wie Ikea mit acht Prozent, Aldi mit sechs Prozent, Media-Markt mit fünf Prozent und Lidl mit drei Prozent Umsatzrendite bewiesen.
Neue Westfälische / 15.02.2008
Rückkehr zu den Anfängen
Hans-Joachim Körber
Seine Karriere begann er in den 70er-Jahren in der Controlling-Abteilung bei Oetker. 1985 wechselte er zur Metro AG, wo er 2001 an die Spitze befördert wurde - bis er, wie es der Präsident des Industrie- und Handelsclubs (IHC), Dirk U. Hindrichs, ausdrückte, "zwischen den Kapitalinteressen des Handelskonzerns zerrieben wurde" und von den Hauptaktionären, den Familien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck, durch Eckhard Cordes ersetzt wurde. Für Hans-Joachim Körber (61) war der Auftritt gestern Abend vor dem IHC in Bielefeld wie eine Rückkehr zu den Anfängen. Natürlich war auch der frühere Generalbevollmächtigte des Oetker-Konzerns, Guido Sandler, bei dem Körber sich 1974 beworben hatte, ins Lessinghaus gekommen, um seinen einstigen Zögling wiederzusehen. Mit der Region ist der frühere Metro-Chef auch als Aufsichtsratsmitglied beim Gütersloher Bertelsmann-Konzern verbunden. Der Vortragssaal im Lessinghaus war mit 120 Zuhörern voll besetzt, als Körber gestern über "Herausforderungen und Perspektiven für den Handel in Deutschland" sprach. (los)
Westfalen-Blatt / 26./27.01.2008
Ein Schloss als Weltort der Kulturen und der Künste
Wilhelm von Boddien war Gastredner beim IHC
Der Wiederaufbau des alten Hohenzollern-Schlosses in Berlin gehört zu den ehrgeizigsten architektonischen und städtebaulichen Aktionen des wiedervereinten Deutschland. Als Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss setzt sich Wilhelm von Boddien für die Verwirklichung des Wiederaufbaus ein. Vor rund 100 interessierten Bielefeldern legte Boddien jetzt beim Industrie- und Handelsclub (IHC) die Ideen zur Rekonstruktion des alten Ensembles offen.
Dabei gehe es weniger um historische Belange, als darum, Berlin seine alte Mitte zurückzugeben, betonte Boddien. Die noch erhaltenen oder wie im Fall der Bertelsmann-Kommandantur rekonstruierten Gebäude rund um den Platz würden so erst wieder in ihre richtigen Proportionen gesetzt, erläuterte der Experte.
Detailliert präsentierte Boddien die Pläne zum Wiederaufbau des ehemaligen Berliner Stadtschlosses, das ursprünglich als Winterresidenz der Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg, später der Könige von Preußen und Kaiser des Deutschen Reiches gedient hatte. Nach der Novemberrevolution 1918 beheimatete das Schloss ein Museum und zahlreiche andere Mieter. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss schwer beschädigt, ließ sich jedoch noch immer als Veranstaltungsort nutzen. 1950 wurde es auf Geheiß Walter Ulbrichts gesprengt und an gleicher Stelle der Palast der Republik errichtet. Seit 2006 setzt sich ein Förderverein für den Wiederaufbau ein. Entstehen soll ein Weltort der Kulturen und der Künste.
Neue Westfälische / 24.01.2008
Ein Palast für die Republik
Wilhelm von Boddien warb gestern vor dem IHC für eine neue Berliner Mitte (Lothar Schmalen)
Ein Mann zeigt vollen Einsatz: Wenn Wilhelm von Boddien loslegt, gibt es kein Halten mehr. Wie ein Feuerwerk brannte er gestern Abend vor dem Industrie- und Handelsclub (IHC) seine Argumente für einen Wiederaufbau des alten Hohenzollern-Schlosses in Berlin ab.
Der Unternehmer, der eigentlich aus Hamburg stammt, ist ein Überzeugungs-Berliner. "Diese Stadt ist eine Sucht", bekannte er freimütig vor einem knapp 100-köpfigen Publikum im Lessinghaus. Unter den Zuhörern, die dem Redefluss des Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss fast atemlos folgten, saßen viele bekannte Bielefelder, darunter die kunstsinnige Unternehmerwitwe Maja Oetker, die in Begleitung der Oetkerschen Kunsthistorikerin Dr. Monika Bachtler gekomen war, oder Nicole Seidensticker-Delius. Moderiert wurde die Veranstaltung von Miele-Chef Reinhard-Christian Zinkann. Der IHC-Vizepräsident hatte zu Beginn der Veranstaltung den Redner auch eingeführt. Er stellte Wilhelm von Boddien als den Mann vor, der die "Scheußlichkeit der Sprengung des Berliner Schlosses" korrigieren wolle. 1950 hatten die DDR-Machthaber das Stadtschloss an der Spree, obwohl es vom Krieg durchaus nicht völlig zerstört war, gesprengt, um Platz für einen Aufmarschplatz und ihren "Palast der Republik" zu machen - "ein Eingriff in die Geschichte", wie Zinkann formulierte.
Für Wilhelm von Boddien, von Hause aus eigentlich Landmaschinenhändler, sind es allerdings weniger historische, als architektonische und städtebauliche Gründe, die ihn zum Befürworter der Schloss-Rekonstruktion machten. "Wenn das Schloss wieder steht, dann hat Berlin seine Mitte zurückerhalten", sagte Boddien. Es gehe um die Rekonstruktion des alten Ensembles. Die noch erhaltenen oder (wie im Fall der Bertelsmannschen Stadtkommandantur) schon rekonstruierten Gebäude rund um den Platz, auf dem früher das Schloss stand, würden so wieder in ihre richtigen Proportionen gesetzt.
Detailverliebt präsentierte der oberste Schlossförderer von Berlin die Rekonstruktion des alten Hohenzollerpalastes, der nun dem republikanischen Deutschland als Ort der Verständigung dienen soll. Nach einer Idee des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Professor Klaus-Dieter Lehmann, soll hier das "Humboldt-Forum" entstehen. Präsentiert werden sollen die Sammlungen des Ethnologischen Museums, des Museums für Indische Kunst sowie des Museums für Ostasiatische Kunst (bislang alle in Berlin-Dahlem). Außerdem soll eine Auswahl aus den wissenschaftsgeschichtlichen Sammlungen der Humboldt-Universität gezeigt werden. "Das Humboldt-Forum im neuerbauten Berliner Schloss soll ein Weltort der Künste und Kulturen werden - eine Verneigung vor den außereuropäischen Kulturen", sagte von Boddien.
In den letzten Tagen des alten Jahres übrigens hat der internationale Architekten-Wettbewerb zum Wiederaufbau des Schlosses begonnen. 2015 soll das Schloss fertig sein.
Neue Westfälische / 19./20.01.2008
Beifall der SPD für David-Rede vor IHC (los)
Die SPD in Ostwestfalen-Lippe hat den Ball aufgenommen, den Oberbürgermeiser Eberhard David (CDU) in seiner Rede vor dem IHC am Dienstagabend (die NW berichtete) gespielt hat. "Insbesondere die von Oberbürgermeister David geforderte Stärkung der regionalen Wirtschaftsförderung und die bessere Ausstattung der OWL-Marketinggesellschaft sind überfällig", betonte der SPD-Bezirksvorsitzende Axel Horstmann am Freitag.
Wenn David einen gemeinsamen Schulterschluss der Städte und Gemeinden fordere, um die Chancen Ostwestfalens im Wettbewerb der Regionen zu verbessern, dann lasse dies ein neues Problembewusstsein auf Seiten der CDU erkennen "Ostwestfalen-Lippe hat in der Vergangenheit vieles erreicht, ist aber seit Jahren nicht mehr gut aufgestellt", so Horstmann. Dem Bielefelder Oberbürgermeister komme das Verdienst zu, als erster aus dem Kreis der CDU-Landräte und Oberbürgermeister damit aufzuhören, sich immer nur selbst auf die Schultern zu klopfen. Die Wirkungsmöglichkeiten der OWL-Marketing müssten ausgebaut werden, "nicht nur zum Zweck der Imageförderung, sondern auch zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes".
Die Glocke / 19.01.2008
Rente mit 75 vorausgesagt
Emnid-Chef beim Industrie- und Handelsclub
Gütersloh (heva). Mit einem Anstieg des Rentenalters auf 75 Jahre rechnet nach eigenen Worten der Geschäftsführer des Bielefelder Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, Klaus-Peter Schöppner. Schon in 20 Jahren würden die Menschen über die aktuelle Ruhestandsdiskussion lachen, sagte der Forscher am Donnerstagabend vor Mitgliedern des Industrie- und Handelsclubs (IHC) in Gütersloh im Parkhotel.
"Dramatische Veränderungen" prognostizierte Schöppner auch bei der Bildung. Weil Gelerntes immer schneller veralte, sei die Fähigkeit, sich schnell neues Wissen anzueignen, künftig die entscheidende Schlüsselqualifikation. Zugleich müssten die Menschen Strategien entwickeln, um eine "Überladung mit Informationen" zu vermeiden. In der Zukunft gehe es darum, das Lernen zu lernen, statt Inhalte zu studieren.
"Der Bildungssektor wird zum Boommarkt", sagte Schöppner. Weil die Menschen in einigen Jahren nicht nur häufig ihren Arbeitgeber, sondern auch die Tätigkeit wechselten, steige der Bedarf an Weiterbildungsangeboten. Das Berufsleben werde zudem immer mehr mit der Freizeit verschmelzen. Arbeitnehmer handelten die Arbeitsbedingungen dann individuell aus. "Eine Regelung über Tarifverträge wird nicht mehr möglich sein", prognostizierte Schöppner.
Auch das Privatleben zersplittere immer mehr, berichtete der Meinungsforscher. In rund 20 Jahren werde "die Familie passé" sein. Erfolgreich ist nach Worten Schöppners dann, wer Netzwerke bildet. Den Staat stelle das vor die Herausfordrung, die gemeinsamen Werte zu erhalten. Wenn jeder in seiner Welt lebe, bestehe die Gefahr, dass die Gesellschaft ihre Gemeinsamkeiten verlöre.
Den Unternehmern im Publikum riet Schöppner, sich zudem auf eine durchschnittlich ältere Gesellschaft einzustellen. Wenn in wenigen Jahren 40 Prozent der Deutschen älter als 60 Jahre seien, ersetzt die Weisheit die Dynamik. Erfolgreich werde sein, wer die Älteren mit neuen Produkten anspreche. Zudem werde sich die Technik noch schneller fortentwickeln. Es gelte deshalb, den Menschen die Angst vor der Elektronik zu nehmen und ihr technisches Verständnis zu stärken.
Schöppner, der regelmäßig in einer Sendung des Nachrichtensenders N24 zu sehen ist, bezeichnete die eigenen Prognosen als Frühwarnsystem. Die Dinge seien noch zu beeinflussen, sagte er. Die Vorhersagen seines Instituts zeigten mögliche Entwicklungen auf - und sie forderten dazu auf, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
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