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Westfalen Blatt / 18.05.2010
Sechzigfaches Wachstum
Telekom-Chef René Obermann über die Aussichten im mobilen Datentransfer
von Bernhard Hertlein
Die Informations-, Komunikations- und Telekombranche ist die Schlüsselindustrie für neues Wachstum. Zur Begründung verwies René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, gestern bei einem Vortrag auf Einladung des Industrie- und Handelsclubs (IHC) Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld auf den großen Einfluss, den Neuerungen in der Daten-Infrastruktur auf Investitionen in den unterschiedlichsten Branchen ausüben.
Als Beispiele nannte Obermann HD-, 3D- und Internet-Fernsehen, aber auch Videokonferenzen und die Energiebranche. Letztere eröffne die Möglichkeit, durch neue Ablese- und Tarifsysteme künftig viel Strom, Wärme und Gas zu sparen. Insgesamt würden in den kommenden zehn Jahren in Deutschland neue Glasfaser-Verbindungen im Wert von 40 bis 50 Milliarden Euro gebaut. Und dennoch investiere Europa derzeit pro Kopf weniger als die Hälfte des Betrages in die Daten-Infrastruktur, den die USA ausgebe.
Obermann zufolge, der wie IHC-Vizepräsident Dr. Reinhard Zinkann als Moderator hervorhob, trotz seines jungen Alters von 47 Jahren mit fast vier Jahren Amtszeit als Vorstandschef der Telekom schon einer der länger dienenden Manager in den Dax-Konzernen sei, wird sich die Nutzung des Festnetzes in den kommenden fünf Jahren verfünffachen. Dagegen werde sich der mobile Datentransfer im gleichen Zeitraum sogar versechzigfachen. »Dabei spielt das Telefonieren eine immer geringere Rolle«, sagte Obermann. Was möglich ist, sehe er in der eigenen Familie: »500 bis 1000 SMS in einem Monat ist für eine 15-Jährige von heute kein Problem.«
Eingehend auf Kritik am Service und an der Datensicherheit räumte Obermann ein, dass noch Einiges zu tun sei. Andererseits bewiesen objektive Studien, dass die Deutsche Telekom nicht nur meistens besser abschneide als die Konkurrenz, sondern sich auch in den vergangenen zwei, drei Jahren spürbar verbessert habe.
Von den weltweit 260 000 Beschäftigten der Deutschen Telekom haben nach Angaben Obermanns 2100 ihren Arbeitsplatz in Ostwestfalen-Lippe. Etwa 60 000 haben den Status von Beamten.Ausblicker in die Zukunft
Neue Westfälische / 04.05.2010
Spitzensteuersatz und Dumpinglöhne
Der Auftritt von Hannelore Kraft im Industrie- und Handelsclub (IHC) gestern Abend begann mit einer Schweigeminute.
Die rund 250 Zuhörer erhoben sich, um des in der vergangenen Woche völlig überraschend verstorbenen IHC-Geschäftsführers Thomas Elshorst zu gedenken.
Danach vertrat Hannelore Kraft vor den Wirtschaftsvertretern deutlich ihre Positionen, mit denen sie sicher nicht nur Zustimmung erntet: Sie sprach sich für einen zweiprozentigen Aufschlag auf den Spitzensteuersatz für die Bildung und gegen die Ausweitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse mit Dumpinglöhnen aus.
Neue Westfälische / 22.04.2010
Mitarbeiter sind „Leistungsgeneratoren“
„dm“-Gründer Götz Werner sprach vor dem IHC (Wilfried Massmann)
Teilhabe gewähren, damit Menschen in Familie, Unternehmen und Gesellschaft auch teilnehmen können. Für den Gründer und Gesellschafter der Drogeriemarktkette „dm“, Götz Werner, ist die gesellschaftliche Verbundenheit auf allen Ebenen Voraussetzung für eine friedliche Zukunft.
„Wir müssen soziale Realitäten anerkennen, aber das Bismarck’sche Sozialsystem ist völlig überholt“, erklärte der Unternehmer und Professor vor dem Industrie- und Handels-Club OWL (IHC).
Für den Befürworter eines Grundeinkommens für jeden Bürger sind Politiker das Spiegelbild einer Gesellschaft. „Politiker sind prinzipiell nicht innovativ. Politiker sind wie Segler, die den Finger in den Wind halten.“ Die Bürger, die Gesellschaft müssten sich ändern, dann ändere sich auch die Politik.
Werner sprach sich gegen „Denkirrtümer“ aus und verlangte mehr Begriffsklarheit. So sei es falsch, Löhne und Gehälter als „Personalkosten“ aufzuführen. „Mitarbeiter sind doch keine Kosten, sie sind Leistungsgeneratoren.“ Werner kritisierte hierarchisches Denken in Betrieben. „Dabei guckt man immer nach oben und verliert den Kunden aus den Augen.“ Von „Vorgesetzten“ verlangt er mehr und bessere Mitarbeitermotivation statt Druck. „Sie wollen doch auch keinen Druck, warum wollen Sie das anderen zumuten?“
Menschen, so der Heidelberger Drogisten-Sohn, lassen sich nicht mehr binden. Darum sei auch das Wort „Kundenbindung“ falsch. „Verbinden Sie – das brauchen wir in Ehe, Familie, Unternehmen und in der Gesellschaft.“ ¦ Meinungs-Börse
Westfalen Blatt / 21.04.2010
Psychologie für Chefs
Tipps von Götz Werner (Edgar Fels)
Der Mann nennt sich selbst Begriffsfetischist. Tatsächlich denkt und redet der Unternehmer und Gründer der dm-Drogeriekette Götz Werner wie ein Psychologe.
Warum arbeiten wir? Diese Frage war Ausgangsposition für einen außergewöhnlichen Vortrag, mit dem der Professor aus Karlsruhe, der in 38 Jahren ein Imperium von 2300 Drogeriefilialen mit 32000 Beschäftigten aufgebaut hat, gestern Gäste des Industrie- und Handelsclubs (IHC) verblüffte.
Die Antwort erinnerte an einen Exkurs in Sachen Unternehmensführung. Natürlich gehe es darum, Mitarbeiter für ihre Arbeit zu begeistern, sie zu motivieren. Doch wie gelingt das? »Ein Unternehmen führen heißt Bewusstsein führen«, erklärte Werner. Jeder einzelne Mitarbeiter müsse sich mit dem, was er tut, identifizieren können. »Er muss wissen, warum er was tut.« Ein zu enges Konzentrieren auf den Chef, sei der falsche Weg.
»Wer zum Vorgesetzten guckt, verliert den Kunden aus den Augen.« In die Irre führe aber auch ein heute oft verwendeter Begriff wie Personalkosten. »Haben Sie schon mal jemanden eingestellt, um Personalkosten zu schaffen?«, fragt Werner. »Nein, es geht Ihnen darum, dass der Mitarbeiter Leistung bringt.« Von Druck am Arbeitsplatz hält Werner aber nichts. »Das geht zu Lasten der Kreativität und Risikobereitschaft.«
Westfalen Blatt / 15.04.2010
Bei Innovation ganz vorn
Pinkwart (FDP) lobt beim IHC die Region
Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) will Nordrhein-Westfalen auf den Weg zum Innovationsland Nummer eins bringen - »und Ostwestfalen-Lippe spielt dabei eine besonders wichtige Rolle«, sagte der Liberale am Dienstag bei einem Vortrag vor dem Industrie- und Handelsclub.
»Ostwestfalen-Lippe ist lange Zeit zu kurz gekommen«, sagte der Minister. Dabei werde in den Hochschulen und in den Unternehmen der Region hervorragende Arbeit geleistet. Ein Beleg sei die Exzellenzinitiative an der Uni Bielefeld. Der Minister will sich für die Ansiedlung eines Max-Planck-Institutes in Bielefeld und für ein Fraunhofer-Institut am Hochschulstandort Paderborn stark machen. Er stellte auch in Aussicht, dass Bielefeld Standort einer neuen medizinischen Fakultät werden könne. Nach Münster und Bochum wäre Bielefeld dann die dritte Universität in Westfalen, an der angehende Ärzte ausgebildet werden. 200 Studienplätze sind im Gespräch.
In der Unternehmer-Runde ging es natürlich auch um die Rolle von FDP-Chef Guido Westerwelle. Zwar habe es Fehler gegeben, sagte Pinkwart. Er werde Westerwelle aber weiterhin nach Kräften unterstützen. Ohne Westerwelle hätte es keinen Regierungswechsel in Berlin gegeben.
Neue Westfälische / 14.04.2010
„OWL viel zu lange viel zu kurz gekommen“
Minister Andreas Pinkwart beim IHC
Mit Engagement hat NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) gestern Abend vor dem Industrie- und Handelsclub Bielefeld (IHC) erläutert, wie er die Bildungs- und Wissenschaftsoffensive in NRW in den nächsten Jahren voranbringen will. Voraussetzung dafür allerdings ist, dass er nach der Landtagswahl im Mai überhaupt noch im Amt ist.
Bereits zum dritten Mal konnte IHC-Präsident Dirk U. Hindrichs den FDP-Politiker als Gastredner begrüßen. Dabei forderte Hindrichs den stellvertretenden Ministerpräsidenten auf, auch über die Situation der FDP einen Monat vor der NRW-Landtagswahl zu sprechen. „Ostwestfalen-Lippe ist viel zu lange viel zu kurz gekommen“, begründete Pinkwart seinen Einsatz für die ostwestfälischen Hochschulen. Mit den Erfolgen der Uni Bielefeld bei der Exellenzinitiative und der Ansiedlung von Forschungsprojekten großer Weltfirmen, zum Beispiel die Robotertechnik in Zusammenarbeit mit dem japanischen Konzern Honda, sei viel erreicht worden. Aber es müsse weiter gehen. „Der nächste Schritt muss die Ansiedlung eines Max-Planck-Instituts in Bielefeld und eines Fraunhofer-Instituts in Paderborn sein.“ Die Uni Bielefeld habe außerdem gute Chancen, bald eine medizinische Fakultät zu erhalten. Wie berichtet, beabsichtigt das Land, 200 neue Medizin-Studienplätze einzurichten. „Ihre Region hat wegen des großen Potenzials und wegen der bisherigen Unterversorgung gute Chancen, den Zuschlag zu erhalten“, sagte Pinkwart vor rund 100 Zuhörern im Haus der IHK.
Pinkwart, der auch stellvertretender Vorsitzender der FDP ist, verteidigte den in die Kritik geratenen FDP-Chef Guido Westerwelle. Der habe zwar auch Fehler gemacht, habe aber „ganz viel dazu beigetragen“, dass in Berlin jetzt eine „Koalition der Mitte“ regiere. Er werde Westerwelle weiterhin mit allen Kräften unterstützen. Pinkwart reagierte damit auf die Frage des früheren IHC-Präsidenten Herbert Sommer (und Ehemann von Pinkwarts Ministerkollegin Barbara Sommer), ob er sich vorstellen können, Westerwelle an der Spitze der FDP abzulösen.
Neue Westfälische / 24.03.2010
Alles falsch war am Ende richtig
Gerhard Weber über die Geschichte seiner Firma (ANNE-LENA JASCHINSKI)
„Vor Ihnen steht ein Mann, der in seinem Leben alles falsch gemacht hat“, sagt Gerhard Weber zu Beginn seines Vortrags vor dem Industrie- und Handelsclub Ostwestfalen-Lippe. Bei wichtigen Entscheidungen traf er stets auf Kritik.
Seine Eltern waren „alles andere als erfreut“, als Weber 1965 – damals 24 Jahre jung und gerade Vater von Zwillingen geworden – sein erstes Einzelhandelsgeschäft in Versmold eröffnete. Es folgten noch sechs weitere. 1972 gründete er mit Udo Hardieck die Hatex KG in Halle. Als ein Kunde Tweed-Hosen bestellte, reiste Weber nach Italien, um den Stoff einzukaufen. Wie sich später herausstellte, war die Qualität schlecht: „Da konnte man Erbsen hindurchschießen.“ Die Hosen verkauften sich wie warme Semmeln.
Mit dem Sponsoring von Steffi Graf gelang dem Unternehmen 1986 ein großer Coup. Weber steckte das Tennis-Talent in „ihr erstes Kostüm“, die Fotos gingen um die Welt. Doch auch hier wollten es viele besser wissen. Die 17-jährige Graf würde altersmäßig nicht zu den Produkten passen. Als der Unternehmer dann das Gerry-Weber-Stadion in Halle bauen ließ, um dort ein Rasen-Tennisturnier zu veranstalten, erklärten ihn Kritiker als leichtsinnig. Heute kommen nicht nur Tennisprofis, sondern auch Popstars nach Halle. Der Erfolg gibt Weber recht. Sein Unternehmen ist weltweit bekannt und gehört zu den Spitzenherstellern von Damenoberbekleidung.
Westfalen Blatt / 09.03.2010
IHC erwartet spannendes Jahr
Mehr als 800 Mitglieder - Förderpreise verliehen
Der Industrie- und Handelsclub Ostwestfalen-Lippe (IHC) steht auf einer stabilen Basis. Mitgliederentwicklung und Finanzen stimmen. Entsprechend optimistisch gibt sich Präsident Dirk U. Hindrichs: »Wir erwarten wieder ein spannendes Jahr mit interessanten Veranstaltungen«, sagte Hindrichs gestern auf der Mitgliederversammlung in der Oetkerhalle.
Geschäftsführer Thomas Elshorst zeigte sich erfreut, dass der Club vor wenigen Tagen die »Schallgrenze« durchbrochen hat und nun mehr als 800 Mitglieder zählt. Positiv sei auch, dass der Anteil der unter 50-Jährigen angestiegen sei. Allerdings »müssen wir hier noch etwas mehr tun«.
Die Finanzen des Clubs sind in Ordnung. Nach den Zahlen von Schatzmeister Dr. Dieter Wirths standen im vorigen Jahr Einnahmen in Höhe von 281 000 Euro Ausgaben in Höhe von 237 000 Euro gegenüber. Das Vermögen belief sich zum Jahresschluss auf 271 000 Euro. Die Beiträge (300 Euro Aufnahmegebühr, 300 Euro Jahresbeitrag) werden nicht erhöht. Die Versammlung erteilte Wirths wie auch dem gesamten Präsidium einstimmig Entlastung.
Präsident Dirk U. Hindrichs verwies in seinem Jahresbericht auf das kompakte Programm 2009 und gab einen Ausblick auf das laufende Jahr. Der IHC erwartet zu Vortragsveranstaltungen unter anderen Gerhard Weber, Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, Telekom-Chef René Obermann sowie im Vorfeld der Landtagswahl die Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD, Hannelore Kraft.
Traditionsgemäß verleiht der IHC im Rahmen des »International Partnership Program« (IPP) Förderpreise an Studierende. Mit jeweils 1200 Euro werden Auslandspraktika unterstützt. Christiane Gräfin Matuschka übergab die Preise an Eva-Alexandra Schmitz (21) von der Universität Paderborn, Marina Lehmann (24) von der Fachhochschule Bielefeld und Marius Wagener (20) von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe.
Zu Beginn der Veranstaltung gedachten Hindrichs und Beiratsvorsitzender Herbert Sommer der verstorbenen Mitglieder Prof. Gerhard Klippstein und Gründungspräsident Heinz Schürmann.
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