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Service für Mitglieder

Die IHC Geschäftsstelle

Am Niederwall in Bielefeld ist der Sitz der IHC Geschäftsstelle. Hier betreut der IHC Industrie- und Handelsclub Ostwestfalen- Lippe seine mehr als 900 Mitglieder. Das Team der Geschäftsstelle steht montags bis donnerstags von 9.00 bis 13.00 Uhr zur Verfügung.

Telefon: 0521 177111; Fax: 0521 177161
E-Mail: info(at)ihc-owl(dot)de


Der Ball der Wirtschaft

Einer der Höhepunkte im Jahresprogramm des Industrie- und Handelsclubs Ostwestfalen-Lippe e. V. ist der Ball der Wirtschaft, der am 10. November 2018 zum 21. Mal gefeiert wird. An diesem festlichen Ereignis in der Stadthalle Bielefeld nehmen Hunderte von Gästen aus der Region teil. Einen Vorgeschmack liefern die Bildergalerien der Vorjahre.

www.ball-der-wirtschaft-bielefeld.de

21.11.2017 | Westfalen-Blatt

»Cyber-Sicherheit vernachlässigt«

Bielefeld(WB). Reden beim traditionellen OWL-Unternehmertag sind meist sehr politisch. Nicht so, jedenfalls auf den ersten Blick, gestern beim Vortrag des seit Jahresanfang 2017 amtierenden neuen Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Prof. Dieter Kempf (64).
Präsident Wolf Meier-Scheuven (rechts) und Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff (links) von der IHK Ostwestfalen begrüßen Kempf. Foto: Oliver Schwabe

Kempf tat, was bei Rednern dieser Kategorie eher selten ist: Er hielt sich vor 700 bis 800 Zuhörern in der Bielefelder Stadthalle bis kurz vor Schluss an das Thema, das ihm vorgeben war: die Digitalisierung der deutschen Gesellschaft. Die Folgen für die Wirtschaft seien immens und würden sich in den nächsten Jahren noch deutlich beschleunigen.

Voraussetzung dafür sei allerdings der zügige Ausbau des Breitbandnetzes, sagte Kempf. Als ehemaliger Datev-Vorstandschef und Bitkom-Präsident beschäftigt er sich schon lange mit dem Thema. Eine große Gefahr sei, dass Unternehmen außerhalb der Ballungszentren und großen Gewerbegebiete und insbesondere der ländliche Mittelstand vom schnellen Internet abgehängt werde. Als eine Möglichkeit, dies zu verhindern, schlug Kempf die Gründung von Genossenschaften zum Glasfaserausbau vor.

Ein Thema, das in dem Zusammenhang – anders als der persönliche Datenschutz – von der Politik, aber auch von den Unternehmern sträflich vernachlässigt werde, sei Cyber Safety: die Sicherheit der Wirtschaftsdaten und der Betriebe. Spätestens der große Schaden durch den Hackerangriff mit dem »nicht sehr komplizierten« Wannacry-Virus in diesem Sommer müsse auch den letzten aufrütteln. Behörden, Krankenhäuser und Firmen hätten vorher fundamentale Notwendigkeiten wie die kontinuierliche Aktualisierung sicherheitsrelevanter Software sträflich vernachlässigt.

Überraschend kritisch äußerte sich Kempf zu »Industrie 4.0« – ein Begriff, den er früher als sehr treffend empfunden habe. Inzwischen glaube er aber, dass die japanische Terminologie »Society 5.0« der Entwicklung besser gerecht werde, weil sie deutlich mache, dass die gesamte Gesellschaft von den Veränderungen betroffen sei – auch Handwerk und freie Berufe. Die Folgen für den Arbeitsmarkt seien anders als vielfach dargestellt. Eine Harvard-Studie, wonach 87 Prozent der Berufe durch die Digitalisierung gefährdet seien, nannte Kempf »unwissenschaftlich«. Freilich müssten sich die Berufsbilder verändern und neue entwickelt werden.

Als Vorzug der deutschen Wirtschaft beschrieb Kempf, dass sie sich vor allem auf die Digitalisierung in der Industrie und zwischen den Unternehmen konzen­triere. Die USA seien bei digitalen Produkten für Endverbraucher vorne, müssten sich gerade deshalb auf zunehmende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber einstellen. Kempf ging kurz auf die Situation vor Ort ein. Das Spitzencluster zeige die gute Entwicklung, auch wenn der BDI-Präsident den Namen »it’s OWL« für einen Zungenbrecher und Marketingfehler hält.

Vor Kempfs Rede wies Wolf D. Meier-Scheuven, Präsident der IHK Ostwestfalen, bei der Begrüßung für die 13 Veranstalter darauf hin, dass Digitalisierung mehr sei als Breitbandversorgung. In vielen staatlichen Vorschriften und Richtlinien komme sie schlicht nicht vor. Als Beispiel nannte der Bielefelder Unternehmer die »Maschinenrichtlinie«, in der Konzepte wie Smart Factory und Internet of Things unerwähnt seien. Weitere Themen seien Forschung, Aus- und Weiterbildung, Arbeitszeit und Haftungsrecht.

Kurz ging Kempf zum Ende seiner Rede dann doch auch auf innen- und weltpolitische Herausforderungen wie Energie, Klimaschutz, Brexit, Veränderungen in der EU und die Gefahren für den freien Welthandel durch die Trump-Administration in den USA und staatliche Maßnahmen zum Schutz der chinesischen Industrie ein. Sie erforderten eine stabile Bundesregierung – eine Mahnung, die auch IHC-Präsident Reinhard Zinkann in seinem Schlusswort ausdrücklich betonte.