
Bessere Bildung von Anfang an
Erstklässler, die keine Schere halten können und deren Wortschatz immer kleiner wird, weil ihnen zu Hause nicht mehr vorgelesen wird. Azubis, welche die Grundrechenarten nicht richtig beherrschen. Lehrpersonen, die mit Sprachbarrieren und Verhaltensauffälligkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler umgehen müssen. Die Herausforderungen im Bereich von Bildung und Schule sind komplex. Mit dem Konzept „Schulkompass 2030“ will NRW-Schul- und Bildungsministerin Dorothee Feller auf die rückläufigen Basiskompetenzen reagieren. Auf einer IHC Vortrags- und Diskussionsveranstaltung stellte sie das Konzept jetzt in Bielefeld vor.
„Wir hinken in NRW hinterher“, räumte die CDU-Politikerin gleich zu Beginn ein. „Wir müssen endlich loslaufen, um Anschluss zu finden“. Mit dem „Schulkompass 2030“ hat die Landesregierung vier vorrangige Ziele formuliert: Verringerung der Zahl der Schülerinnen und Schüler, die die Mindeststandards verfehlen, Steigerung der Zahl der Schülerinnen und Schüler, welche die Optimalstandards erreichen, Stärkung der sozial-emotionalen Entwicklung und Steigerung der Zahl der Berufskolleg-Absolventen mit konkreter Anschlussperspektive.
Um den „Turnaround“ zu schaffen und die gesteckten Ziele zu erreichen, setze die Landesregierung auf Stärkung der Basiskompetenzen Rechnen, Schreiben und Lesen, erläuterte Feller. Regelmäßige Lernstandserhebungen und systematische Datenanalysen sollen Fehlentwicklungen aufdecken und Möglichkeiten schaffen, rechtzeitig und individuell zu fördern. Ein weiteres wichtiges Instrument seien auch die ABC-Klassen, die es ab dem Schuljahr 2028/29 verpflichtend geben wird. Werden bei Schülerinnen und Schülern bei der Schuleingangsuntersuchung Defizite festgestellt, zum Beispiel in Sprache, Motorik oder sozialem Verhalten, sollen die Kinder ein Jahr lang vor dem eigentlichen Schulbeginn in der ABC-Klasse intensiv gefördert werden. Ziel sei es, die Chancengleichheit zu verbessern, so Feller.
Auch durch mehr Alltagsbezug des Unterrichts, zum Beispiel durch Schulbesuche von Praktikern aus unterschiedlichen Berufsfeldern, aber auch mit dem Einsatz von KI als Lerncoach, möchte die Ministerin die Schülerinnen und Schüler auf eine sich immer schneller wandelnde Welt vorbereiten. „Ganz wichtig ist auch die Demokratiebildung“, erklärte die Ministerin. „Wir müssen in der Schule aber nicht nur theoretisch die Vorteile der Demokratie vermitteln, sondern den Schülerinnen und Schüler auch ganz praktisch mehr Mitbestimmung zutrauen“.
Im Anschluss an die von IHC Präsidiumsmitglied Laura von Schubert moderierte Veranstaltung hatten die Gastgeber von HLB Stückmann noch zu einem Imbiss eingeladen. Die Gelegenheit, sich weiter über das Thema „Bildung“ auszutauschen, wurde von den zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen gern genutzt