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IHC Vortragsveranstaltung mit Johannes Huth, CEO Groupe Bruxelles Lambert

9. März 2026

Private-Equity: Von der Nische zum Erfolgsmodell

Wenn heute über Private Equity gesprochen wird, fällt ein Name fast zwangsläufig: Johannes Huth. Als langjähriger Europachef von Kohlberg Kravis Roberts & Co., KKR, und heutiger CEO der Groupe Bruxelles Lambert, hat der deutsche Manager wie kaum ein anderer den Aufstieg der Branche in Europa geprägt. Auf Einladung des IHC sprach Huth im Dr. Wolff Institut darüber, wie ab den 1990er-Jahren die Brücke zwischen globalem Kapital und deutschem Mittelstand geschlagen wurde.

Private Equity bezeichnet außerbörsliches Beteiligungskapital: Fonds sammeln Geld von institutionellen Investoren und vermögenden Familien ein, erwerben Unternehmen oder Unternehmensanteile, gestalten Strategie, Struktur und Management aktiv mit und veräußern ihre Beteiligungen nach einigen Jahren wieder – idealerweise mit deutlichem Gewinn. Dieses Modell entstand aus frühen Formen von Venture Capital in den USA, professionalisierte sich in den 1970er‑ und 1980er-Jahren und wurde seit den 1990er-Jahren zu einem zentralen Baustein der globalen Unternehmensfinanzierung.

Huth, Jahrgang 1960, studierte in Deutschland und den USA und begann seine Karriere im Investmentbanking. In den 1990er-Jahren wechselte er ins Beteiligungsgeschäft und übernahm Ende des Jahrzehnts Verantwortung beim damals noch vor allem US‑fokussierten Finanzinvestor KKR. Von London aus baute er das Europageschäft auf, verhandelte prominente Transaktionen in Deutschland, darunter Axel Springer SE, Siemens Nixdorf, ProSiebenSat.1, WMF, SoftwareOne oder Wella und wurde damit zum „Gesicht“ des angelsächsischen Private Equity in der hiesigen Unternehmenslandschaft.

Parallel zu Private Equity haben auch Family Offices in der Finanzwirtschaft stark an Bedeutung gewonnen, berichtete Huth. Anders als früher mischten sich Unternehmerfamilien heute aktiver in die Finanzverwaltung ein und überließen dies nicht mehr den Banken. Deshalb investierten sie heute zunehmend in Private‑Equity‑Fonds, gingen als Co-Investoren mit an Bord oder übernähmen Mittelständler direkt, erläuterte der Finanzmanager. Im Zusammenspiel von Private-Equity-Industrie und unternehmerisch geprägten Family Offices entstehe ein Ökosystem, das die Eigentümerlandschaft im europäischen Mittelstand nachhaltig verändern könne und Chancen für Wachstum, Internationalisierung und Nachfolgelösungen böte.

Im Anschluss an die Keynote moderierte IHC Präsident Eduard R. Dörrenberg den ausgiebig genutzten Diskussionsteil. Unter anderem galt das Interesse der zahlreich erschienenen IHC Mitglieder und Gäste dem Thema „Künstliche Intelligenz“. Diese werde, so Huth, im operationellen Bereich viele Funktionen übernehmen. Das Urteilsvermögen über die künftige Entwicklung von Firmen und Branchen und das „Bauchgefühl“ eines Investment-Bankers könne diese Technologie in seinen Augen aber nicht ersetzen.