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IHC Vortragsveranstaltung mit Stephan Schmitter, CEO RTL Deutschland GmbH

21. Mai 2026
IHC Vortragsveranstaltung mit Stephan Schmitter am 19. Mai 2026

Durch KI und Streaming: TV-Bereich in „maximaler Transformation“

Die Deutschen nutzen immer weniger lineares Fernsehen, dafür streamen sie umso mehr. In der werberelevanten Zielgruppe der 14-29-Jährigen werden im Schnitt nur noch 29 Minuten TV am Tag geschaut. Das ist ein Rückgang von 65 Prozent seit 2019. Die Altersgruppe der 14-59-Jährigen sieht immerhin noch 67 Minuten klassisches Fernsehen, doch auch hier ist die Tendenz stark fallend. Was diese Entwicklung für ein Medienunternehmen wie RTL bedeutet, erläuterte Stephan Schmitter, CEO RTL Deutschland, bei einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Industrie- und Handelsclubs OWL. Eingeladen hatte die Bertelsmann-Unternehmensgruppe, zu der das Medienunternehmen gehört. Christoph Mohn, IHC Vizepräsident und Vorsitzender des Bertelsmann Aufsichtsrats, moderierte die gut besuchte Veranstaltung in Gütersloh.

„Der Medienmarkt erlebt gerade eine maximale Transformation. Um langfristig erfolgreich und wettbewerbsfähig zu bleiben, richten wir RTL Deutschland noch konsequenter auf das Streaming-Geschäft aus“, erklärte Schmitter. Denn mit dem sinkenden TV-Konsum seien auch sinkende Werbeeinnahmen verbunden. So gingen die linearen TV-Werbeumsätze in Deutschland seit 2019 um mehr als 20 Prozent zurück. Im gleichen Zeitraum habe RTL Deutschland darum massiv in den Ausbau seines Streamingdienstes RTL+ investiert, so Schmitter. Mit Erfolg: Die Abonnentenzahl stieg von 0,8 Mio. im Jahr 2019 auf voraussichtlich 8 Mio. im Jahr 2026. Mit der Übernahme von Sky Deutschland inklusive des Streamingdienstes WOW im Juni 2026 steige die Zahl der zahlenden Abonnenten auf insgesamt 12,3 Millionen. Damit liege man in Deutschland dann auf Platz 3 hinter Netflix und Prime Video.

Um weiter zu wachsen, setze das Unternehmen zum einen auf Partnerschaften, wie Schmitter erläuterte. Neben der Zusammenarbeit mit HBO Max und Amazon Prime gebe es demnächst auch eine Werbekooperation mit EDEKA. Zum anderen ersetze Künstliche Intelligenz in allen Bereichen immer mehr menschliches Personal: Bei der redaktionellen Bearbeitung von Nachrichtenmeldungen über das Vertragsmanagement bis zum Drehbuchschreiben oder KI-generierten Darstellern. So kündigte Schmitter dem staunenden Publikum neue Filme mit längst verstorbenen Schauspielerinnen und Schauspielern an und zeigte Beispiele des neuesten Trends „Micro Drama“. Hierbei wird ein 90-minütiger, gänzlich von KI erzeugter Spielfilm in einminütige „Serienfolgen“ aufgeteilt, die dann im Abo-System konsumiert werden können.

Trotz aller technischen Möglichkeiten setzt der RTL-Chef aber weiterhin auch auf menschengemachten Journalismus – zumindest beim linearen Fernsehen der RTL-Gruppe, zu dem unter anderem auch der Nachrichtensender Ntv gehört. „Hier sehen wir uns in der Verantwortung“, erklärte Schmitter. Auch was die Unterhaltungssparte angeht, versprach der Medienmanager zukünftig Authentizität. „Echte Emotionen, wie sie bei großen Sportevents oder Liveshows wie ,Let´s Dance‘ entstehen, sind durch KI nicht zu ersetzen.“