Rückblick

IHC Netzwerk F – Frauen im IHC: Annette Kulenkampff


Staunen, Netzwerken, Genießen: IHC NetzwerkF zu Gast im Kunstforum Hermann Stenner und in der Villa Bozi.
IHC Geschäftsführerin Susanne Schaefer-Dieterle begrüßt die Referentin Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst in Frankfurt.

Was macht Städte lebenswert?

Annette Kulenkampff stellt Arbeit und Ziele des Instituts für Stadtbaukunst vor

Attraktive Altbauquartiere wie der Prenzlauer Berg in Berlin, Schwabing in München oder der Bielefelder Westen sind bis heute schön, menschenfreundlich und wegen ihrer Langlebigkeit und Dichte auch nachhaltig. „Welche Elemente machen diese Stadtviertel so erfolgreich und was lässt sich daraus für die heutige Stadtplanung ableiten und nutzen?“ Auf diese Fragen gab Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin des Deutschen Instituts für Stadtbau-kunst, spannende Antworten in ihrem Vortrag beim Treffen im „IHC NetzwerkF – Frauen im IHC“.

Zu einem Wandel im Städtebau kam es in den 1950er und 1960er Jahren, als Funktionalität und Autofreundlichkeit maßgeblich wurden. Das Verständnis für einen multidisziplinären Ansatz, der unter anderem ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Aspekte berücksichtigt, ging verloren. Die „autofreundliche Stadt“ eroberte die Republik.

Dieses Problem ist längst erkannt. Die Definition der „Europäischen Stadt“ als Leitmodell ist ein Versuch, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. 2007 haben sich alle EU-Mitgliedstaaten in der „Leipzig Charta“ zu diesem Leitmodell bekannt. „In Deutschland ist der moderne Siedlungsbau aber noch weit von den Zielen der Charta entfernt“, stellte Anette Kulenkampff fest. Verantwortlich dafür macht sie das Renditestreben der Investoren, die Abkehr der Architektinnen und Architekten vom traditionellen Architekturvokabular und das Ausei-nanderdriften der Disziplinen wie zum Beispiel Architektur, Stadt-, Grün- und Verkehrsplanung.

Das Institut für Stadtbaukunst in Frankfurt, ein An-Institut der TU Dortmund, will dieser Misere entgegenwirken. „Es geht nicht darum, dass sich die Planung von vor hundert Jahren wiederholen soll, sondern um das Lernen aus der Vergangenheit und das Anwenden bewährter Regeln“, unterstreicht die ehemalige documenta-Geschäftsführerin. Die Stadt der Zukunft solle trotz Digitalisierung und künstlicher Intelligenz den menschlichen Maßstab nicht aus den Augen verlieren.

Das Institut ist dazu einerseits in der Forschung und Lehre aktiv, handelt andererseits aber auch konkret. Es veranstaltet Fachtagungen, Ausstellungen, lehrreiche Stadtspaziergänge, Workshops und Seminare. Unter anderem hat es einen Maßnahmenkatalog mit Tipps zum Bau lebenswerter Stadtquartiere erarbeitet.

Glücklich zeigte sich die Referentin über den schönen Veranstaltungsort: das neue Kunstforum Hermann Stenner in Bielefeld. „Allein dafür hat sich die Reise nach Bielefeld gelohnt!“ Das neue Museum befindet sich in der ehemaligen Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe. Ermöglicht hat es die Goldbeck Stiftung, beim Umbau federführend war Architektin Susanne Crayen. Die Bielefelderin berichtete lebhaft von den vielfältigen Herausforderungen im Laufe des Projekts. Sie reichten von der Neuaufteilung der Räume über die Auswahl der Mate-rialien bis hin zu Klimatechnik, Sicherheitslösungen und Barrierefreiheit.

Bei einer Führung durch die Ausstellung konnten sich die IHC Frauen und zahlreiche Gäste ein Bild von dem gelungenen Neubau machen und die aktuelle Ausstellung genießen. Mit dabei: die neue Direktorin des Kunstforums, Christiane Heuwinkel, sowie die Vorstandsvorsitzende des Freundeskreises Hermann Stenner, Ricarda Osthus. Applaus gab es auch für Laura von Schubert, neues Mitglied im IHC Präsidium.

Abschließend wartete in der Villa Bozi ein Imbiss auf die Teilnehmerinnen, die den gelungenen Abend bei angeregten Gesprächen ausklingen ließen.

www.stadtbaukunst.de
www.kunstforum-hermann-stenner.de

Vortrag Kulenkampff - NetzwerkF

Text: Ute Schönefeldt / Fotos: Christian Weische

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Leipzig Charta zur
nachhaltigen europäischen Stadt

Die Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt wurde anlässlich eines informellen Ministertreffens zur Stadtentwicklung und zum territorialen Zusammenhalt, das am 24./25. Mai 2007 in Leipzig stattfand, von den 27 in der Europäischen Union für Stadtentwicklung zuständigen Ministerinnen und Ministern unterzeichnet.
In die Leipzig-Charta flossen die Ergebnisse der informellen Städtebauministertreffen von Lille (2000), Rotterdam (Urban Acquis, 2004) und Bristol (Bristol Accord, 2005) sowie die Ergebnisse des Europäischen Forums für Architekturpolitiken (EFAP) ein. Ziel ist es, „unsere Städte zu schützen, zu stärken und weiter zu entwickeln“, dabei wird „nachdrücklich die Nachhaltigkeitsstrategie der Europäischen Union“ unterstützt.
Im Vorwort der Charta heißt es: „Auf Dauer können die Städte ihre Funktion als Träger gesellschaftlichen Fortschritts und wirtschaftlichen Wachstums … nur wahrnehmen, wenn es gelingt, die soziale Balance innerhalb und zwischen den Städten aufrechtzuerhalten, ihre kulturelle Vielfalt zu ermöglichen und eine hohe gestalterische, bauliche und Umweltqualität zu schaffen.“

 

Mittwoch, 10. April 2019 17:00 Uhr
Kunstforum Hermann Stenner
Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst, Frankfurt