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Herausforderungen und Chancen aus der Krise aus Sicht eines Startup-Unternehmers

19. Juni 2020

„Jetzt ist die Gelegengheit um anzugreifen“

Wirtschaftliches Wachstum ist auch in Corona-Zeiten möglich. Wie man gerade als Start-up-Unternehmen Chancen und Wettbewerbsvorteile auch während einer Krise konsequent nutzt, davon berichtete Philipp A. Pausder, Mitbegründer und Geschäftsführer von Thermondo, auf einem virtuellen Podiumsgespräch. Erneut nutzte der Industrie- und Handelsclub OWL, IHC, den Weg der Videokonferenz, um seinen Mitgliedern während der Pandemie Vorträge und Austausch anbieten zu können. Rund 60 Mitglieder und Gäste nutzten die Gelegenheit, den Unternehmern Philipp A. Pausder und Sebastian Borek, CEO & Mitbegründer der Founders Foundation in Bielefeld, zuzuhören. Moderator und Gastgeber des Meetings war IHC-Präsidiumsmitglied Hans Beckhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Beckhoff Automation GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Verl.

Während viele Betriebe zurzeit mit Krisenmanagement beschäftigt sind und versuchen, den schlimmsten finanziellen Schaden von sich abzuwenden, gibt es auch Gewinner der Corona-Krise. Das 2012 in Berlin gegründete Heizungsinstallationsunternehmen Thermondo gehört dazu: Eine erwartete Umsatzsteigerung auf 60 Millionen im Jahr 2020, ein Allzeithoch bei der Abfrage der Kundenzufriedenheit im Krisenmonat April. „Ich glaube, viele Kunden waren einfach froh, dass wir weiter gearbeitet haben“, vermutet Pausder, der mit der Bielefelder Unternehmerin und IHC-Präsidiumsmitglied Verena Pausder verheiratet ist.

Wir haben von Beginn an cloudbasiert gearbeitet und stark auf die Entwicklung eigener Software gesetzt. Ein Wechsel der gesamten Firma ins Homeoffice war bei uns innerhalb weniger Stunden möglich“, so Pausder. Das zahle sich nun aus. Für die Innendienstmitarbeiter soll das Arbeiten von zuhause auch nach Corona eine Option bleiben. „So können wir trotz gewachsener Mitarbeiterzahl auf der bestehenden Bürofläche bleiben und dadurch Kosten einsparen.“

Das Modell Thermondo

Thermondo bietet seinen Kunden ein Rundum-Sorglos-Paket und stieg damit in wenigen Jahren zum größten Heizungsinstallateur Deutschlands für Ein- und Zweifamilienhäuser auf. An mehr als 50 Standorten in Deutschland sind über 350 Mitarbeiter tätig. Auf der Website des Start-ups beantwortet der Kunde einen Fragenkatalog zu seiner Heizung. Per Algorithmus schlägt Thermondo dann die passende Heizung vor und erstellt ein Angebot – günstiger und schneller als beim Handwerker um die Ecke, so das Versprechen. Die staatliche Förderung, die beim Umstieg von Ölheizung auf umweltfreundliche Alternativen wie Brennwert, Solarthermie und Brauchwasserwärmepumpen winkt, ist darin bereits enthalten. Sobald der Interessent zusagt, kommt ein Handwerkerduo ins Haus. Das Geschäftsmodell, das digitale Kundenberatung und Akquise mit handwerklicher Dienstleistung vor Ort kombiniert, sieht Pausder auch als zukunftsweisend für andere Handwerksbereiche an.

Ein weiterer Wettbewerbsvorteil von Thermondo sei, dass die Firma nicht nur im Internet zu finden sei, sondern auch, dass die Beratung ortsunabhängig virtuell oder telefonisch ablaufe, erläuterte Pausder. Und das nicht nur während Corona. Den Co2-Ausstoß zu senken, war von der Gründung an ein erklärtes Ziel von Thermondo, die darum auch nur umweltfreundliche Heizungen anbieten. Damit liegt das Unternehmen spätestens seit der weltweiten Friday for Future-Bewegung im Trend. Ein weiteres Plus sei die Tatsache, dass viele Menschen in unsicheren Zeiten lieber in die eigenen vier Wände investieren als in Statussymbole wie etwa Autos.

Gewinner der Krise, so Pausder zusammenfassend, werden jene Unternehmen sein, die „so digital wie möglich sind, die Ressourcen so schonend wie möglich einsetzen und die ihr Kerngeschäft beschützen, sich aber auch offen für Neuerungen zeigen“.

Auch Start-up-Experte Sebastian Borek sieht zurzeit gerade für kleine Start-ups „eine Gelegenheit, um anzugreifen“. „Viele der von uns betreuten Gründer haben gute Ideen und besitzen die Flexibilität, schnell auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren.“ Anders als viele etablierte Firmen. „Erfolgsmodelle engen auch ein“, weiss Borek. Mit Interesse habe er festgestellt, dass selbst die Bundesregierung in einen Start-up-Modus verfallen sei. „Auf einmal ist nichts mehr planbar. Während vor Corona ewig lang diskutiert und evaluiert wurde, müssen nun innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen gefällt und den Bedingungen immer wieder angepasst werden. Eine spannende Entwicklung.“

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