Rückblick

IHC Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, Hubertus von Baumbach


In seinem Vortrag „Transformation“ nahm Hubertus von Baumbach, Urenkel des Firmengründers und Vorsitzender der Unternehmensleitung, Boehringer Ingelheim, die IHC-Mitglieder mit auf den spannenden Weg vom regional tätigen Backpulver- und Weinsteinproduzenten zu einem der 20 weltweit größten Pharmaunternehmen.
(v. l.): IHC Präsidiumsmitglieder Dr. Harald Schlüter, Jörg-Uwe Goldbeck, IHC Geschäftsführerin Cornelia Moss, IHC Präsident Eduard R. Dörrenberg,  Laura von Schubert, Christoph Mohn, Hubertus von Baumbach, Vorsitzender der Unternehmensleitung C. H. Boehringer Sohn AG & Co. KG und IHC Präsidiumsmitglied und Gastgeber Michael W. Böllhoff.

„Transformation“

Am Anfang stand das Backpulver – jedoch nicht „Backin“ sondern „Boeson“. Denn nicht nur für den in Bielefeld ansässigen Weltkonzern Dr. Oetker war das Pulver der Grundstein des Erfolges, sondern auch für einen anderen Global Player: das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim. Auf Einladung des IHC referierte Hubertus von Baumbach, Urenkel des Firmengründers und Vorsitzender der Unternehmensleitung, über den langen Weg vom regional tätigen Backpulver- und Weinsteinproduzenten zu einem der 20 weltweit größten Pharmaunternehmen.

Unter dem Motto „Transformation“ beschrieb der studierte Jurist, welche Umwandlungen das Unternehmen im Laufe seiner 134-jährigen Geschichte durchlaufen hat, um seine führende Position zu erreichen. 2018 erwirtschaftete Boehringer Ingelheim Umsatzerlöse in Höhe von 17,5 Milliarden Euro. In den drei Sparten Humanpharmazie (70 Prozent des Unternehmens), Tiergesundheit (85 Prozent) und Biopharmazeutika (5 Prozent) sind heute rund 55‘000 Mitarbeitende tätig.

Ein riesiger Budgetposten in der Pharmabranche ist die Forschung. Knapp ein Fünftel, 3 Milliarden Euro, investiert Boehringer Ingelheim in diesen Bereich. Dabei führten nur etwa fünf Prozent der Forschungsaktivitäten letztendlich auch zu einem neuen Medikament, so von Baumbach. Die Entwicklung eines neuen Medikaments dauere zehn bis 15 Jahre und koste zwischen 1,5 und 1,8 Milliarden Euro.

Im Laufe der Firmengeschichte veränderte Boehringer Ingelheim immer wieder sein Portfolio. Nach dem Beginn im Nahrungsmittelbereich, über Kosmetik- und Drogerieprodukte, konzentriert man sich heute ganz auf die Pharmabranche. „Es ist schwierig, sich von Dingen zu trennen, mit denen man das Unternehmen verbunden hat“, räumte von Baumbach ein. Dennoch seien diese Schnitte nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. 2016 tauschten der französische Pharmakonzern Sanofi und Boehringer Ingelheim zwei Sparten: Das Tiermedizingeschäft der Franzosen ging an Boehringer und im Gegenzug bekam Sanofi von den Deutschen das Geschäft mit rezeptfreien Mitteln. Damit gab das Unternehmen so bekannte Produkte auf, wie Muscosolvan, Dulcolax oder Thomapyrin. Neu hinzu kam dafür die erfolgsversprechende und innovationsfähige Sparte der Tierpräparate, darunter das Antizecken-Mittel „Frontline“ für Hunde und Katzen.

Bereits früher verabschiedete sich das Unternehmen von etablierten Marken wie „Bac“-Deodorant oder „Hattric“-Aftershave. „Wir sahen hier keine Möglichkeiten der Weiterentwicklung“, so von Baumbach zu den Entscheidungen.

Bedeutendste Transformation im Bereich der Humanmedizin, so von Baumbach, war die Verschiebung des Forschungsfokus auf Erkrankungen, für die es derzeit noch keine Therapien gibt. Aktuell forsche man im Bereich der fibrotischen Erkrankungen von Lunge und Leber (als Fibrose wird eine krankhafte Vermehrung des Bindegewebes in Geweben und Organen bezeichnet). Zu früheren Zeiten habe man jene Marken und Geschäftsfelder weiterentwickelt, in denen der Vertrieb bereits gut lief.

Auch im Bereich der Unternehmensorganisation haben Transformationen stattgefunden, erklärte von Baumbach. Seit einigen Jahre setzt Boehringer Ingelheim strukturell auf eigenständige Business Units: in gut 140 Ländern sind 170 Gesellschaften aktiv.

Im Anschluss an den Vortag nutzen die zahlreich erschienenen IHC-Mitglieder und Gäste bereitwillig die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ein Imbiss rundete den Abend, bei dem das Unternehmen Böllhoff als Gastgeber fungierte, ab. Der IHC dankt für die Gastfreundschaft.

www.boehringer-ingelheim.de

Text: Annette Meyer zu Bargholz /Fotos: Susanne Freitag

Donnerstag, 10. Oktober 2019 18:30 Uhr
Böllhoff
Hubertus von Baumbach, Vorsitzender der Unternehmensleitung Boehringer Ingelheim