Rückblick

IHC Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Gerhard Sagerer, Rektor Universität Bielefeld


Engagement für gute Beziehungen zwischen Universität Bielefeld und der Wirtschaft der Region: Die IHC Präsidiumsmitglieder Christoph Mohn und Michael W. Böllhoff, der den IHC Abend moderierte und Referent Prof. Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Uni Bielefeld.

Universität und Wirtschaft im produktiven Austausch

Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld, über „50 Jahre Partnerschaft: Die Uni Bielefeld und die Wirtschaft“.

Ingenieure aus ostwestfälischen Unternehmen forschen gemeinsam mit Wissenschaftler-innen und Wissenschaftlern der Universität an intelligenten Haushaltsgeräten, die das Leben ihrer Nutzerinnen und Nutzer einfacher machen sollen. Als die Universität Bielefeld vor 50 Jahren gegründet wurde, habe sich wohl kaum jemand eine solche Kooperation vorstellen können, erklärte Gerhard Sagerer, Informatikprofessor und seit zehn Jahren Rektor der Universität Bielefeld im CITEC.

Zwar waren Lehre und Forschung von Beginn an auf Interdisziplinarität ausgerichtet: „Der Austausch und die Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen wird in Bielefeld täglich gelebt“, bestätigte Sagerer. Durch das zentrale Universitätshauptgebäude sei es möglich, innerhalb von Minuten mit Fachleuten einer anderen Fachrichtung ins Gespräch zu kommen.

Dass auch Firmen am Informationstransfer beteiligt sind, ist noch relativ neu. Im regionalen Innovationscluster „KogniHome“ (gegründet 2014) entwickeln Unternehmen – wie der Hausgerätehersteller Miele oder Möbelbeschläge-Produzent Hettich – gemeinsam mit den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, der Universität und der Fachhochschule technische Lösungen, die die Menschen in ihrem Alltag unterstützen. So entstand unter anderem ein intelligenter Spiegel für Demenzkranke, der Hinweise zum Wetter gibt, die passende Kleidung vorschlägt und an Termine erinnert.

„Ich habe Wissenstransfer nie als Einbahnstraße gesehen“, erklärte Rektor Sagerer den IHC Mitgliedern sowie zahlreichen Gästen der UGBi Universitätsgesellschaft Bielefeld. „Die spannendsten Impulse kommen aus der Praxis.“ Um die Synergien von Wirtschaft und Wissenschaft dauerhaft zu nutzen, ist zurzeit auf dem Unigelände der „Bielefeld Research und Innovation Campus“ (BRIC) in Planung – ein Think Tank für Ostwestfalen-Lippe, der auch Start-ups und KMU einbeziehen will.

In seinem Rückblick skizzierte der Wissenschaftler auch die Anfangsjahre der Reformuniversität. Ideale Bedingungen für Lehrende und Lernende wollten die Gründer schaffen. So war geplant, dass ein Professor, damals ausschließlich Männer, nur 30 Studierende betreut – heute sind es etwa dreimal so viele. Außerdem sollten die Universitätslehrer nach einem Jahr Lehre ein Jahr forschen dürfen. Auch diese Idee ließ sich in der Praxis nicht durchsetzen. Die Hochschule wuchs dennoch stetig. Von 250 im Jahr 1969 stieg die Zahl der Studierenden auf heute 25.000. Aus anfänglich drei Fakultäten wurden 13. Der 14. Fachbereich, die Medizinische Fakultät, entsteht gerade. Eine halbe Milliarde Euro investiert das Land Nordrhein-Westfalen in den Ausbau. „Das ist schon ein Brocken“, kommentierte Gerhard Sagerer anerkennend und lobte das klare Bekenntnis der Landesregierung zum Standort Bielefeld.

Der Forschungsschwerpunkt „Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen“, von denen es 13 Millionen Betroffene hierzulande gibt, wird einzigartig in Deutschland sein. Auch in der neuen Fakultät soll interdisziplinär gearbeitet werden. Gemeinsam mit den Medizinerinnen und Medizinern werden sich dann Psychologen, Erziehungswissenschaftler, Soziologen und Historiker beispielsweise mit intelligenten Assistenzsystemen für Behinderte befassen.

Um die Forschung auch im Alltag der Bielefelderinnen und Bielefelder zu verankern, sucht die Universität gezielt den Schulterschluss mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. „Wir sind zum Glück nicht mehr der Fremdkörper auf der grünen Wiese, den viele Bielefelder in den Anfangsjahren als Zumutung empfunden haben“, berichtet Sagerer, der seit vielen Jahren begeistert in der Ostwestfalen-Metropole lebt.

Großen Anteil an der Vermittlung zwischen Stadt und Universität hat die UGBi Universitätsgesellschaft Bielefeld. Sie schafft Begegnungsmöglichkeiten und setzt sich dafür ein, Beziehungen der Wissenschaft zu Wirtschaft und Bevölkerung zu verbessern. Wie dies funktionieren kann, zeigen publikumswirksame Projekte wie die geplante „WissensWerkStadt“ in der Bielefelder Innenstadt oder die von Firmen getragenen Stiftungsprofessuren und Studienfonds. Es erfülle ihn mit Stolz, resümierte Gerhard Sagerer, wenn er sehe, wie die Region und ihre Wirtschaftsunternehmen sich mittlerweile mit „ihrer“ Universität identifizieren.

www.uni-bielefeld.de
www.uni-bielefeld.de/ugbi

Text: Annette Meyer zu Bargholz / Fotos: Christian Weische

Donnerstag, 28. Februar 2019 20:00 Uhr
Universität Bielefeld
Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld