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Auch in harten Zeiten optimistisch

25. Mai 2020

Familienunternehmen gelten als besonders krisenfest. Dass das auch aktuell so ist, zeigte ein Podiumsgespräch, dass der Industrie- und Handelsclub OWL organisiert hatte. Bereits zum zweiten Mal nutzte der IHC den Weg der Videokonferenz, um seinen Mitgliedern auch in Corona-Zeiten Vorträge anbieten zu können. Rund 100 Mitglieder und Gäste nutzten die Gelegenheit, den Unternehmern Eduard Dörrenberg (Dr. Wolff Gruppe), Andreas Hettich (Hettich Gruppe) und Michael W. Böllhoff (Böllhoff Gruppe) zuzuhören und an ihren Erfahrungen über den Umgang mit Krisen teilzuhaben. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Christina Hoon, Professorin und Inhaberin des Stiftungslehrstuhls „Führung von Familienunternehmen”.

Es sind harte Zeiten für alle Unternehmen. Massive Umsatzeinbrüche, Homeoffice und Kurzarbeit in allen Unternehmensbereichen, Sorge um die Gesundheit der Mitarbeitenden: Als „Wechselbad der Gefühle“, zwischen Risikominimierung und Chancenevaluierung, beschreibt Michael W. Böllhoff die aktuelle Situation. Während bei der Hettich Gruppe, die vor allem Beschläge für die Möbelindustrie herstellt, momentan „so gut wie gar nichts mehr geht“, stellte Dr. Wolff seine Kosmetikproduktion kurzfristig auf die Herstellung von Desinfektionsmitteln um.

So finster es im Moment auch aussieht, kommen Familienunternehmen vergleichsweise gut durch Krisen. Das zeige die Geschichte, erklärt Christina Hoon. „Für unsere Mitarbeiter ist die Firmenkultur der größte Motivator in dieser Zeit“, bestätigt Michael W. Böllhoff. Die 140-jährige Firmengeschichte gebe „Halt, Glauben und Zuversicht“. Schließlich habe man auch Kriege und andere Krisen bereits erfolgreich überstanden.
In der Dr. Wolff Gruppe setze man besonders in schwierigen Zeiten auf klare Führung, Transparenz und Kommunikation, sagt Eduard Dörrenberg. Als Familienunternehmer sei man für die Mitarbeiter sichtbar. „Wir sind authentisch und man glaubt uns, dass wir uns für das Unternehmen einsetzen.“ Die Corona-Krise sei dabei auch ein Katalysator und Beschleuniger von notwendigen Entwicklungen, wie der Digitalisierung.

Die Krise als Chance? „Wir beobachten im Unternehmen eine unglaubliche Lerngeschwindigkeit“, berichtet Andreas Hettich. Die Krise habe Flexibilität und Ideen hervorgebracht. So wurden in kurzer Zeit virtuelle Showrooms entwickelt, die Kunden ohne physischen Kontakt besuchen können. Videokonferenzen seien bislang ein Nischenprodukt gewesen. Nun sähen alle, was für tolle Möglichkeiten sie bieten. „Auf einmal funktionieren Dinge innerhalb von zwei Wochen, über die man vorher Jahre diskutieren musste“, berichtet Andreas Hettich. „Vieles werden wir sicher auch nach Corona beibehalten“.

Einig waren die Unternehmer sich auch, was die staatliche Krisenintervention angeht. Besonders das Kurzarbeitergeld sei wichtig, um „gut ausgebildete und mit uns vertraute Mitarbeiter an Bord zu halten“, so Hettich. Während sie kurzfristige Hilfen eindeutig begrüßten, sollte der Staat nicht weitreichender in die Wirtschaft eingreifen. Viel wichtiger sei ein EU-weites Reformpaket, dass die Bereiche Bildung, Digitalisierung und Verkehr in den Fokus nimmt. „Wir brauchen Reformen im Denken“, so Hettich. Leider hätten diese nach den vergangenen Krisen (Finanzkrise, Flüchtlingskrise) nicht wirklich stattgefunden.

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